Dan Shipper spricht mit Kieran Klaassen, dem Entwickler des Compound-Engineering-Frameworks bei Every, über die Frage, wo Menschen beim Arbeiten mit KI-Agenten noch gebraucht werden – und wo sie aktiv im Weg stehen. Das Gespräch bewegt sich im Rahmen einer grundlegenden Annahme: dass KI-Agenten die Ausführungsarbeit bereits gut genug beherrschen, sodass die eigentliche Frage nicht mehr „Wie nutze ich KI?" ist, sondern „Wann schalte ich mich rein und wann nicht?"
Zentrale Punkte
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Das KI-Sandwich: Menschen an den Rändern Klaassen zufolge seien Menschen am wichtigsten am Anfang eines Prozesses (Problemdefinition, Ideenfindung) und am Ende (Feinschliff, Qualitätsgefühl) – die Mitte könne der Agent erledigen.
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Problemrahmen wechseln bleibt menschliche Stärke Shipper argumentiert, Agenten könnten zwar innerhalb eines gegebenen Problems gut arbeiten, seien aber nicht in der Lage, auf eine höhere Ebene zu wechseln und das Problem selbst neu zu definieren.
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Vollautomatisierung ist ein bewegliches Ziel Beide sind sich einig, dass Automatisierung immer weiter voranschreite, es aber stets eine neue Ebene gebe, auf der menschliches Urteil wieder gefragt sei – das Ziel verschiebe sich ständig.
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Musik als Modell für menschliche Beteiligung Klaassen zieht eine Parallele zu seinem Hintergrund als klassischer Komponist: Wie bei einer Live-Aufführung gebe es Momente, die nicht replizierbar seien – das Erschaffen aus dem Nichts und das Darbieten für andere.
Einordnung
Das Gespräch liefert ein eingängiges Bild für die Mensch-KI-Arbeitsteilung und bringt einen praktischen Erfahrungshintergrund mit: Das Sandwich-Modell entstand aus echtem Produktionseinsatz, nicht aus theoretischer Überlegung. Besonders der Hinweis, dass ständiges Eingreifen den Menschen daran hindert, bei den wirklich wichtigen Entscheidungen konzentriert zu sein, ist ein konkreter und nützlicher Gedanke.
Gleichzeitig wird als selbstverständlich vorausgesetzt, dass die Frage „Wann bin ich als Mensch noch wertvoll?" primär aus der Perspektive von Produktivität und wirtschaftlichem Nutzen zu beantworten sei. Die optimistische Schlussfolgerung – wer sich auf das einlässt, was ihm Freude macht, wird im KI-Zeitalter gut aufgestellt sein – bleibt unbestritten im Raum stehen. Dass diese Umstellung für viele Menschen keine Frage des persönlichen Geschmacks, sondern der ökonomischen Notwendigkeit ist, wird nicht thematisiert. Das Gespräch richtet sich an ein Publikum, das bereits mit Agenten arbeitet und über Nuancen nachdenkt – wer noch fragt, ob der Einstieg sinnvoll ist, findet hier wenig Antworten.
Hörempfehlung: Für Entwickler:innen und Wissensarbeiter:innen, die bereits mit KI-Agenten arbeiten und ein klareres Modell dafür suchen, wie sie ihren eigenen Beitrag gezielt einsetzen können.
Sprecher:innen
- Dan Shipper – CEO von Every, Moderator des Podcasts „AI & I"
- Kieran Klaassen – GM von Cora, Entwickler des Compound-Engineering-Frameworks