Nach dem tödlichen Anschlag auf den Berliner CSD spricht der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Manuel Ostermann, mit den Moderatoren Benjamin Scherp und Dominik Steffens. Der als islamistisch eingestufte Täter, ein 21-jähriger Deutsch-Libanese, sei polizeibekannt und bereits verurteilt gewesen – dennoch auf freiem Fuß. Das Gespräch kreist um die Frage, wer Verantwortung dafür trage, dass der Mann nicht in Haft war. Die Schuld verorte Ostermann ausschließlich bei der Justiz und der Politik; die Polizei sei weder zuständig noch verantwortlich gewesen. Deradikalisierungskurse bezeichnet er als „ideologisches fehlgeleitetes Konstrukt“. Als selbstverständlich wird gesetzt, dass härtere Gesetze und Überwachung die richtige Antwort auf islamistische Gewalt seien. Andere Perspektiven – etwa die der queeren Community, auf deren Veranstaltung der Anschlag verübt wurde – kommen nicht vor.

Zentrale Punkte

  • Justiz trägt alleinige Verantwortung Ostermann behaupte, die Polizei könne für den Vorfall nichts, zuständig und verantwortlich sei ausschließlich die Justiz. Die richterliche Entscheidung, den Täter auf Bewährung freizulassen, sei für ihn nicht nachvollziehbar.
  • Deradikalisierung als grundsätzlicher Irrweg Deradikalisierungskurse bei Menschen, die eine konkrete Gefahr darstellten, seien ein wirkungsloses Konzept. Der Täter habe diesem „Hilfsangebot offen ins Gesicht gespuckt“ – solche Maßnahmen müssten daher grundsätzlich infrage gestellt werden.
  • Islamismus als schleichende Machtübernahme Islamismus sei kein Randphänomen, sondern habe sich in Deutschland „eindrucksvoll festgesetzt“. Die nächste Stufe sei die Übernahme – sichtbar in Kitas, Schulen und Kommunalparlamenten. Härtere Gesetze und eine „rechtsstaatliche Bekämpfung der Ursache“ seien nötig, statt bloßer Sicherheitskonzepte.

Einordnung

Das Gespräch bietet Einblick in die Sichtweise eines hochrangigen Polizeigewerkschafters unmittelbar nach einem aufwühlenden Anschlag. Ostermann benennt konkrete Leerstellen im Umgang mit polizeibekannten Gefährdern – etwa die Frage, warum Deradikalisierungsmaßnahmen nicht konsequenter durchgesetzt werden oder warum Gerichte Bewährungsstrafen verhängen können. Die Moderatoren fragen mehrfach nach der Rolle der Polizei bei der Überwachung des Täterwohnhauses und lassen Ostermanns Entlastung der Beamten nicht unwidersprochen stehen. Die Episode schafft es, die Wut und Fassungslosigkeit vieler Menschen nach dem Anschlag aufzugreifen und in politische Forderungen zu übersetzen.

Allerdings wird Ostermanns berufspolitische Rolle – er vertritt als Gewerkschaftschef Polizeiinteressen – von den Moderatoren nicht thematisiert. Seine völlige Entlastung der Polizei und die alleinige Verantwortungszuweisung an die Justiz werden nicht auf mögliches Eigeninteresse hinterfragt. Die steile These einer „schleichenden Machtübernahme“ des Islamismus in Kitas und Parlamenten bleibt ohne Einordnung oder Belege stehen. Aussagen wie „was für ein ideologisches fehlgeleitetes Konstrukt ist das“ zu Deradikalisierungskursen – einer von mehreren Maßnahmen gegen Extremismus – rahmen das gesamte Feld präventiver Arbeit pauschal als naiv. Eine Einordnung der Hosts, etwa zu den Grenzen oder Zielen solcher Kurse, findet nicht statt. Die Perspektive der Betroffenen des Anschlags, insbesondere der queeren Community als Ziel des Angriffs, fehlt im gesamten Gespräch völlig. So verbleibt die Episode trotz kritischer Nachfragen in einer sicherheitspolitischen Logik, die komplexe gesellschaftliche Fragen auf Forderungen nach schärferen Gesetzen verengt.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die die Argumentationsweise von Sicherheitsbehörden nach einem islamistischen Anschlag ungefiltert verstehen wollen, bietet die Episode einen authentischen Einblick.

Sprecher:innen

  • Manuel Ostermann – Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, Polizist
  • Benjamin Scherp – Co-Host und Journalist bei Based.
  • Dominik Steffens – Co-Host und Journalist bei Based.