Wie verändert Künstliche Intelligenz eine Branche, die von Kreativität lebt? Max Mundhenke spricht mit Florian Züke, der bei der Werbeagentur Jung von Matt den KI-Bereich verantwortet. Züke schildert, wie die Agentur KI einsetzt – zum Experimentieren, für wiederkehrende Aufgaben und als ergänzendes Angebot für Kund:innen. Im Zentrum stehe aber weiterhin der Mensch: KI könne Prozesse beschleunigen, nicht aber emotionale, kulturell relevante Kampagnen ersetzen. Die Vorstellung, dass gute Werbung durch technische Werkzeuge allein entstehe, weist Züke zurück – es gehe um ein Zusammenspiel.
Zentrale Punkte
- Menschliche Kreativität bleibt Kern KI könne Prozesse unterstützen und repetitive Arbeiten übernehmen, aber emotionale, langlebige Markenkommunikation brauche weiterhin menschliche Kreativität. Die Arbeit verschiebe sich von ausführenden Tätigkeiten hin zu Strategie und Beratung.
- KI als ergänzendes Werkzeug, nicht als Ersatz Jung von Matt biete mit dem „Playground" ein KI-Tool für Gebrauchs-Assets an, das den Markenvorgaben entspreche. Für hochwertige Kampagnen bleibe die persönliche Betreuung durch Kreative jedoch der Standard – ähnlich dem Unterschied zwischen Café-Besuch und Supermarkt-Kaffee.
- „AI Slop" als kulturelles Phänomen Züke unterscheide zwischen humorvollem KI-Output wie „Italian Brainrot" und schlecht gemachten KI-Inhalten, die handwerklich unzureichend seien und beim Publikum durchfielen. Der menschliche Filter entscheide, ob KI-generierte Inhalte relevant würden.
Einordnung
Die Episode bietet eine praxisnahe Innenansicht, wie eine große Werbeagentur KI strategisch integriert. Statt pauschaler Ablehnung oder Euphorie zeichnet Züke ein differenziertes Bild: Verschiedene Einsatzzwecke erfordern unterschiedliche Qualitätsniveaus. Die Abgrenzung zwischen „Premium"-Markenkommunikation und „geringerwertiger" Performance-Werbung wird von Züke bewusst gesetzt und mit dem Selbstverständnis der Agentur verknüpft. Auch die Verschiebung von Arbeitsaufgaben weg vom Handwerklichen hin zu Strategie und Beratung ist ein relevanter Punkt.
Die Diskussion bleibt eng an der Perspektive einer etablierten Großagentur. Alternative Modelle jenseits des Agentur-Kunde-Verhältnisses – etwa Open-Source-Kreativkollektive oder dezentrale Markenführung – kommen nicht vor. Dass KI-gestützte Werbung vor allem als Kostenfrage verhandelt wird, prägt das Gespräch, ohne dass diese ökonomische Logik selbst befragt würde. Züke zieht die Grenze zwischen menschlicher und maschineller Kreativität scharf; der Gedanke, dass auch menschliche Kreativität stark von Konventionen geprägt ist, bleibt unerwähnt. Die Arbeitsbedingungen in Agenturen – Stichwort hohe Schlagzahl bei stagnierenden Budgets – werden erwähnt, jedoch nicht problematisiert.
Sprecher:innen
- Max Mundhenke – Host von „Kollegin KI", spricht mit Menschen über KI im Berufsalltag
- Florian Züke – Leiter KI bei Jung von Matt, verantwortet KI-Implementierung und Kundenberatung