Der Newsletter von Public Notice nimmt das missglückte Renovierungsprojekt des Lincoln Memorial Reflecting Pools zum Anlass, um die charakteristischen Schwächen von Donald Trumps zweiter Amtszeit sezierend darzustellen. Die Farce, bei der das Wasser trotz blauer Bodenbeschichtung schon nach wenigen Tagen grün wurde und die Farbe abblätterte, wird als perfekte Metapher inszeniert: Sie offenbare Trumps Hang zu überzogenen Versprechungen, seine Missachtung wissenschaftlicher Expertise, Vetternwirtschaft und eine billige, selbstverherrlichende Patriotismus-Rhetorik, die vor allem darauf zielt, die politischen Gegner:innen zu „besiegen“.
Der Text arbeitet detailliert die Trinität aus Inkompetenz, Korruption und Günstlingskapitalismus heraus. Trump, ohnehin ein schlechter Geschäftsmann, habe ohne Ausschreibung einen 14,7-Millionen-Dollar-Auftrag an eine Firma vergeben, die bereits Pools auf seinen Privatanwesen beschichtet hatte. Als der blaue Belag in der Sommerhitze die Algenblüte beschleunigte und anschließendes Wasserstoffperoxid den Kunststoff zerstörte, habe er sich selbst der Kritik ausgesetzt – schließlich hatte er eigenhändig die Fertigstellung gefeiert und jede Verantwortung an sich gezogen. Der Autor zitiert zudem einen weiteren begünstigten Unternehmer, der wegen Verstoßes gegen Wahlkampfgesetze vorbestraft ist und 2020 eine Viertelmillion Dollar an Trumps Kampagne spendete.
Trumps ausgeprägtes Bedürfnis, sich Denkmäler zu setzen, und sein aufgesetzter Patriotismus bilden einen weiteren roten Faden. Das Pool-Projekt geselle sich zu jener Liste von Eitelkeitsprojekten wie die Aufbringung seines Namens auf Nationalpark-Pässen oder Reisepässen. Die Renovierung sei als Triumph eigener Ingenieurskunst angepriesen worden – als etwas, das seine Vorgänger:innen, insbesondere Barack Obama, nie zustande gebracht hätten. Diese Selbstinszenierung schlägt nach dem Scheitern in eine hektische Schuldumkehr um. Trump erfinde Sabotageakte: Vandalen hätten einen 250 Fuß langen Schnitt in die Pool-Auskleidung geritzt, obwohl er zuvor behauptet hatte, das Material sei unzerstörbar. Der Washington Post zufolge ließ sich ein solcher Schnitt nicht nachweisen, was den Autor süffisant kommentiert: „Trump can whine and blame-shift until he’s blue — or green, or red — in the face. But if he demanded all the credit a few weeks ago, he deserves all the blame now.“ Dieses Zitat bringt die zentrale Botschaft auf den Punkt: Die eigene Hybris führt zwangsläufig zur lächerlichen Abwehrschlacht.
Einordnung
Der Autor schreibt aus einer liberalen, Trump-kritischen Perspektive, die in der öffentlichen US-Debatte verbreitet ist. Ausgeblendet wird die Sichtweise des Weißen Hauses oder der ausführenden Firmen; die Darstellung der Korruption stützt sich auf öffentlich zugängliche Spenden- und Vertragsdaten, bleibt aber ein Narrativ, das Trumps persönliche Bereicherung ins Zentrum stellt, ohne strukturelle Korruption im Regierungsapparat umfassend zu beleuchten. Die implizite Annahme, dass alle Aktionen Trumps allein aus Egoismus und Dummheit resultieren, verengt den Blick auf politische Dynamiken, obwohl die Faktenlage diese Deutung hier stützt. Der Text verfällt nicht in rechte oder demokratiefeindliche Muster, sondern arbeitet mit einer scharfzüngigen Ironie, die sich gegen autoritäre Gebaren richtet. Lesenswert ist der Newsletter für alle, die eine pointierte, faktenreiche Demontage der Trump’schen Regierungsweise suchen und dabei auf unterhaltsame politische Analyse Wert legen. Wer eine ausgewogene Darstellung oder eine tiefergehende Einordnung in die konservative Gegenerzählung erwartet, wird nicht fündig.