Paul Krugman spricht mit Chad Bown und Soumaya Keynes über ihr neues Buch "How to Win a Trade War". Das Gespräch kreist um die fundamentale Verschiebung im globalen Handel: weg von einer regelbasierten Ordnung, hin zu einer machtbasierten, chaotischen Welt. Im Kern, so die Analyse, geht es nicht um den Protektionismus von Donald Trump, sondern um einen schleichenden, von China ausgelösten Handelskrieg. China strebe eine asymmetrische Abhängigkeit an, bei der die Welt von chinesischen Lieferketten abhängt, China selbst aber unabhängig bleibt. "We wanted the rest of the world to be dependent on China for their supply chain... but China to not have dependencies on the rest of the world", fasst Bown die Strategie zusammen. Diese Erkenntnis, ausgelöst durch Strategien wie "Made in China 2025", macht für ihn eine Rückkehr zu alten Regeln unmöglich.

Keynes schildert ihre eigene Desillusionierung: Die Hoffnung, der Westen könne China durch gemeinsam ausgehandelte neue Regeln einhegen, sei gescheitert. Das Scheitern der trilateralen Gespräche zwischen den USA, der EU und Japan und Chinas Weigerung, sein Subventionssystem zu ändern, markierten für sie den Wendepunkt. "I just don't believe that the solution to these problems lies in a new set of common rules that everyone is going to sign up to", so Keynes. Die Lösung liege nicht im Regelbuch, sondern in mühsamer, chaotischer Einzelfallpolitik und strategischer Autonomie. Krugman selbst verortet seinen eigenen Aha-Moment beim russischen Überfall auf die Ukraine, der offenbarte, wie sehr die gesamte Nachkriegsordnung von einem wohlwollenden Hegemon – den USA – abhing, der nun abgetreten ist.

Ein zentrales Beispiel des Buches ist der Umgang Europas mit chinesischen Elektroautos. Bown erklärt, wie China einst durch erzwungenen Technologietransfer von westlichen Autoherstellern lernte, nun aber selbst die Weitergabe von Know-how an Europa durch ein staatliches Lizenzsystem blockiert. Europa müsse daher "from the Chinese model" lernen, was nicht bedeute, es zu kopieren, aber zu verstehen, wie gezielte staatliche Kontrolle funktioniert. Gleichzeitig zeigt sich die politökonomische Zwickmühle: Während Trump in den USA per Dekret Zölle erheben konnte, ringt Europa selbst angesichts akuter Bedrohungen für die Autoindustrie mühsam um Konsens. Die Gefahr der neuen Zeit bestehe auch in Fehlinterpretationen: Notwendiges Stockpiling von Ressourcen könne, so Keynes, als Kriegsvorbereitung missverstanden werden und eskalierende Dynamiken auslösen.

Die Unterhaltung endet mit einer düsteren Prognose: Einen großen, stabilisierenden Deal wird es nicht geben. Stattdessen erwarten die Autor:innen ein anhaltendes Chaos aus Subventionen, Lagerhaltung und gegenseitigem Misstrauen. Bown appelliert eindringlich, die westlichen Partner sollten aufhören, sich untereinander zu bekämpfen, um sich auf den "real trade war that needs to be fought" – jenen mit China – zu konzentrieren. Das sei der einzig verbliebene Zweckoptimismus.

Einordnung

Das Gespräch bietet eine pointierte und kenntnisreiche Einführung in das neue Paradigma der Handelspolitik, bleibt aber stark in der Perspektive westlicher Industriestaaten verhaftet. Die Stimmen der Länder des Globalen Südens, die oft Spielball dieser Konflikte sind, werden ebenso wenig berücksichtigt wie innenpolitische Zwänge innerhalb Chinas jenseits strategischer Pläne. Unausgesprochene Annahme ist, dass ein Bündnis aus USA, EU und befreundeten Mittelmächten die einzig legitime und funktionierende Antwort sein kann, was die Agency anderer Akteure ausblendet. Die Argumentation normalisiert geopolitisch motivierte Industriepolitik als Notwendigkeit und bewegt sich damit weit weg von den klassischen, wohlfahrtsökonomischen Argumenten der Freihandelslehre, ohne die potenziellen Wohlfahrtsverluste einer dauerhaften Blockbildung tiefgehend zu problematisieren.

Politisch ist der Text hochrelevant, da er die tektonischen Verschiebungen im Welthandel verständlich macht und die zentrale Bedeutung der China-Frage für die zukünftige Wirtschaftsordnung unterstreicht. Er ist für Leser:innen geeignet, die sich einen schnellen, aber fundierten Überblick über das Ende der alten Handelsordnung und die daraus resultierenden strategischen Zwänge für den Westen verschaffen wollen. Eine unkritische Lektüre birgt jedoch die Gefahr, die neu entstehenden Machtblöcke und deren kostspielige, interventionistische Politik als alternativlos zu akzeptieren.