In der englischsprachigen Episode von „Future Histories“ (Originaltitel der Episode: *Cédric Durand on Ecological Planning*) diskutieren Moderator Jan Groos und der politische Ökonom Cédric Durand über das Konzept der ökologischen Planung. Ausgehend von der Prämisse, dass der „grüne Kapitalismus“ als hegemoniales Projekt gescheitert sei, widmet sich das Gespräch der institutionellen Umsetzung einer ökonomischen Transformation. Der Diskurs rahmt die Klimakrise als Systemfrage, bei der Marktmechanismen als ungeeignet für die notwendige Makro-Koordination dargestellt werden. Staatliche Planung und stringente Investitionskontrolle werden in der Argumentation als unverhandelbare politische Notwendigkeiten gesetzt. Gleichzeitig wird der etablierte Wachstumsbegriff dekonstruiert: Durand plädiert sprachlich und konzeptionell dafür, Debatten über „Degrowth“ durch Post-Wachstums-Begrifflichkeiten zu ersetzen, die den materiellen Gebrauchswert über den kapitalistischen Tauschwert stellen. ### Zentrale Punkte * **Marktversagen und Naturkalkulation** Durand argumentiert, dass Marktlogiken unfähig seien, die Natur in ökonomische Entscheidungen zu integrieren; es bedürfe zwingend einer Berechnung in natura sowie makroökonomischer Koordination. * **Vier Säulen der Planung** Für eine Transformation brauche es laut Durand ökologische Buchhaltung, demokratische Szenarienbildung, direkte Bürger:innenbeteiligung und vor allem die Vergesellschaftung von Investitionen. * **Kapitalkontrolle als Voraussetzung** Ohne politischen Zwang auf wirtschaftliche Akteur:innen sei keine Planung möglich; Durand fordert strikte Kapitalkontrollen und eine weitreichende staatliche Steuerung der Kreditvergabe. * **Bedürfnisorientierte Ökonomie** Anstelle von Verzichtsnarrativen betont Durand, dass eine demokratische Begrenzung des Ressourcenverbrauchs den Raum für menschliches Gedeihen und kollektive Bedürfnisbefriedigung erweitere. ### Einordnung Die Episode bietet eine theoriegeleitete Dekonstruktion hegemonialer Narrative des marktbasierten Klimaschutzes. Sie leistet wertvolle diskursive Arbeit darin, historische Instrumente staatlicher Planung als umsetzbare „institutionelle Utopien“ neu zu rahmen. Eine Stärke der Diskussion ist die Verschiebung des argumentativen Fokus von individuellem Konsumverzicht hin zu struktureller Investitionskontrolle. Gleichzeitig bleibt der Diskurs in einem gewissen Etatismus verhaftet: Der Nationalstaat und seine Institutionen (wie Zentralbanken oder Ministerien) werden als weitgehend neutrale Werkzeuge betrachtet, deren historisch gewachsene neoliberale Verfasstheit kaum problematisiert wird. Auch die zu erwartenden massiven realpolitischen Widerstände gegen eine systematische Entmachtung des Kapitals werden rhetorisch stark abgeschwächt, wenn Durand behauptet, Finanzkontrolle sei „much easier now than it was in the past“ (Übersetzung: „heute viel einfacher als in der Vergangenheit“). Die fundamentale Machtfrage wird so streckenweise auf eine technokratische Machbarkeitsfrage reduziert. **Hörempfehlung**: Empfehlenswert für Hörer:innen, die sich für postkapitalistische Theorie, staatliche Planung und tiefgreifende institutionelle Alternativen jenseits von Green-Growth-Narrativen interessieren. ### Sprecher:innen * **Jan Groos** – Moderator und Produzent des Podcasts „Future Histories“ * **Cédric Durand** – Professor für politische Ökonomie an der Universität Genf, Autor