Steph von Radio Corax war am 9. Mai bei der jährlichen Liegedemo in Leipzig – einer Protestform, bei der Teilnehmer:innen liegen, um auf die oft unsichtbare Erkrankung ME/CFS aufmerksam zu machen. Sie spricht mit zwei Angehörigen: Lesslie, die selbst erkrankt ist, und Marlis Quadflick, deren Sohn schwer betroffen ist. Im Zentrum stehen die weiterhin unerfüllten Forderungen der Community und ein neues Problem: das Behindertengleichstellungsgesetz sei für viele ME/CFS-Kranke kaum anwendbar, und das Medizinal-Cannabis-Gesetz schließe schwer leidende Patient:innen durch Ortsverbotszonen aktiv vom öffentlichen Leben aus.
Zentrale Punkte
- Forderungen bleiben seit Jahren gleich Die Demo fordere seit langem Aufklärung, Forschung und flächendeckende Versorgung. Obwohl Forschungsgelder bewilligt wurden, bestehe die Sorge, dass diese nicht bei sinnvollen Studien ankämen und Betroffene bei Entscheidungen nicht ausreichend mitbestimmen könnten.
- §24 MedCanG schließt Patienten aus Marlis Quadflick kritisiere, dass das neue Cannabis-Gesetz Ortsverbotszonen für medizinisches Cannabis schaffe. Ihr Sohn müsse wegen starker Schmerzen inhalieren, wo es nötig sei – in Schulnähe oder Wahllokalen sei das nun verboten. Das Gesetz verhindere die Einnahme eines Medikaments dort, wo es gebraucht werde.
Einordnung
Die Stärke dieses Beitrags liegt in seiner Unmittelbarkeit: Er lässt Menschen zu Wort kommen, die im öffentlichen Diskurs kaum präsent sind und deren Alltag von den besprochenen Gesetzen existenziell geprägt wird. Die Verbindung von politischer Forderung und konkreter Lebensrealität – etwa wenn die Unmöglichkeit geschildert wird, mit einem Inhalator ein Wahllokal zu betreten – macht die Auswirkungen abstrakter Paragrafen greifbar.
Allerdings bleibt die journalistische Rahmung bewusst zurückhaltend; es ist ein Gespräch unter Betroffenen, keine investigative Reportage. Die Behauptung, §24 MedCanG sei ein verdeckter Angriff auf Patient:innen, wird nicht durch eine Gegenstimme oder juristische Expertise eingeordnet. Die Argumentation, Politiker:innen wollten das Problem „vertuschen“, bleibt so als eindrückliches, aber ungeprüftes Erleben im Raum stehen. „Patienten sind keine Kiffer, das ist das große Thema und von daher muss dieser Paragraph 24 unbedingt abgeschafft werden“ – hier wird der Kern des Protests gegen die Gleichsetzung von Medizin und Genussmittel deutlich, ohne dass die rechtliche Komplexität dahinter ausgeleuchtet würde.
Hörempfehlung: Ein wertvoller Einblick für alle, die verstehen wollen, wie sich Gesetze, die in der Theorie schützen sollen, für chronisch Kranke im Alltag als neue Hürde darstellen.
Sprecher:innen
- Steph – Reporterin, Radio Corax
- Lesslie – Pressesprecherin der Liegedemo, selbst ME/CFS-betroffen
- Marlis Quadflick – Mutter eines schwer an ME/CFS erkrankten Sohnes