Wolfgang M. Schmitt bespricht den Film „Borat Anschluss Moviefilm“. Die Analyse verhandelt das Scheitern filmischer Provokation in einer ohnehin enthemmten politischen Realität. Dabei wird als Prämisse gesetzt, dass die vulgäre Grenzüberschreitung längst von rechten Akteur:innen wie Donald Trump als Erfolgsmodell adaptiert worden sei, wodurch klassische Satireskandale ihre Wirkung verlören. Zudem wird das Gefälle zwischen der im Film behaupteten Aufklärung und den tatsächlichen gesellschaftlichen Verhältnissen in den USA herausgearbeitet. Die Diskussion verbleibt dabei in einem gesellschaftskritischen Deutungsrahmen, der materieller Ungleichheit mehr Bedeutung zumisst als moralischer Entrüstung. ### Zentrale Punkte * **Überholte Provokationslogik** Der Film versuche mit Tabubrüchen zu schockieren, was jedoch in einer Zeit ständiger Grenzverschiebungen durch populistische Politik und Reality-TV ins Leere laufe und zur bloßen Belästigung verkomme. * **Falsches Verständnis von Übergriffen** Die inszenierte Szene mit Rudy Giuliani basiere auf einer Fehlkonzeption sexualisierter Gewalt, da Täter nicht auf provozierte Flirtangebote reagierten, sondern von sich aus übergriffig würden. ### Einordnung Die Episode analysiert scharfsinnig, wie reaktionäre Akteur:innen von moralischen Skandalen profitieren statt an ihnen zu scheitern. Auffällig ist die Rahmung einer homogenen, ahnungslosen „liberalen Hollywood-Elite“, die nicht kritisch hinterfragt wird. Schmitt argumentiert hierbei stark über den Wert bürgerlicher Formwahrung, wenn er die höflichen Abwehrreaktionen republikanischer Frauen lobt: „Das heißt, was sie hier einfordern, ist die Zivilisation“. Reale sozioökonomische Probleme werden zwar als wichtigere Themen eingefordert, dienen hier aber primär als rhetorisches Mittel, um den Film abzuwerten. ### Sprecher:innen * **Wolfgang M. Schmitt** – Filmkritiker und Ideologiekritiker