In dieser Episode des „Nebelspalter“-Podcasts wird das neue Buch von Martin Schlumpf besprochen, das sich mit der winterlichen Stromversorgung der Schweiz befasst. Moderator Markus Somm und der Autor eint eine klare Überzeugung: Die Energiewende sei ein Irrweg, der ein selbstgeschaffenes Problem – die sogenannte Stromlücke im Winter – erst hervorgebracht habe. Das Gespräch entfaltet sich als fachliche Untermauerung dieser These, wobei physikalisch-technische Argumente im Vordergrund stehen. Als selbstverständlich gesetzt wird dabei, dass Versorgungssicherheit und CO₂-freie Produktion die obersten Ziele jeder Energiepolitik sein müssten – und dass marktwirtschaftliche Überlegungen dem unterzuordnen seien. Die Diskussion bewegt sich in einem engen Rahmen, in dem „die Politik“ als irrationaler Störfaktor erscheint, während technische Vernunft eindeutig zur Kernenergie führe.
Zentrale Punkte
- Solarstrom versagt im Winter Solaranlagen erreichten in den Wintermonaten eine Arbeitsauslastung von nur vier Prozent, im Januar sei die Situation noch prekärer. Die installierte Leistung täusche über die tatsächliche Verfügbarkeit hinweg, da kürzere Tage und häufige Bewölkung die Produktion drastisch reduzierten. Ohne massive Speicher, die in der Schweiz nicht realisierbar seien, bleibe Photovoltaik für die Winterversorgung bedeutungslos.
- Alternativen scheitern an Realitäten Wasserkraft sei in der Schweiz praktisch vollständig ausgebaut, zusätzliche zwei Terawattstunden seien politisch versprochen, aber kaum realisierbar. Windenergie liefere zwar mehr Strom im Winter, bleibe jedoch unzuverlässig und erfordere ständige Backup-Kapazitäten. Wasserstoff als Speichermedium scheitere an fehlenden geologischen Kavernen und an Wirkungsgradverlusten von mindestens 60 Prozent im Umwandlungsprozess.
- Kernenergie als einzig gangbarer Weg Bestehende Atomkraftwerke müssten so lange wie technisch möglich betrieben und durch zwei neue Großanlagen ergänzt werden. Moderne Reaktoren seien ab Stange verfügbar, böten verbesserte passive Sicherheitssysteme und benötigten weniger als einen Quadratkilometer Fläche. Die Bauzeit betrage in Ländern wie den Vereinigten Arabischen Emiraten etwa sieben Jahre – das politische Bewilligungsverfahren in der Schweiz sei das eigentliche Hindernis.
Einordnung
Die Episode liefert eine kohärente technische Argumentation aus einer explizit pro-nuklearen Perspektive. Schlumpf rechnet mit konkreten Zahlen, benennt physikalische Grenzen und macht die Diskrepanz zwischen installierter Leistung und tatsächlicher Verfügbarkeit nachvollziehbar – ein für die öffentliche Debatte relevanter Punkt, den er anschaulich darstellt. Das Gespräch profitiert von seiner Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge in einfache Vergleiche zu übersetzen, etwa beim Flächenverbrauch verschiedener Technologien.
Allerdings findet das Gespräch in einem weitgehend geschlossenen Resonanzraum statt. Der Moderator vertritt selbst vehement die Position des Gastes, kritische Nachfragen oder Gegenargumente fehlen vollständig. Wenn Somm etwa sagt, „das ist ein No-Brainer“, wird der suggestive Charakter der Diskussion deutlich: Was technisch plausibel erscheint, wird als politisch alternativlos präsentiert. Die Darstellung von Kernenergie als störungsfreie Bandstromquelle lässt wirtschaftliche Risiken – Baukostenverdopplungen, Entsorgungsfragen über Jahrtausende, Versicherungsprobleme – ebenso außen vor wie die Frage, warum private Investoren ohne staatliche Garantien zurückschrecken. Auch dass die Schweizer Stromproduktion bereits vor der Energiewende weitgehend CO₂-frei war, wird zwar erwähnt, aber nicht in Beziehung zu Importabhängigkeiten gesetzt. Wer eine differenzierte Abwägung verschiedener energiepolitischer Pfade sucht, wird sie hier nicht finden; die Episode dokumentiert stattdessen das geschlossene Weltbild eines Diskurses, der die Energiewende für gescheitert erklärt, bevor sie begonnen hat.
Sprecher:innen
- Markus Somm – Moderator, Verleger des Nebelspalters
- Martin Schlumpf – Autor von „Stromloch im Winter“, langjähriger Nebelspalter-Kolumnist