Der anonyme Autor schildert ein Live-Gespräch mit Anthony Scaramucci. Kern ist ein Streit um Methodik: Ist der enge Hitler/Mussolini-Vergleich tauglich, um die US-Rechte zu beschreiben? Der Autor plädiert für einen breiteren Faschismus-Begriff, angelehnt an Lawrence Rees' Buch "The Nazi Mind". Als Beleg dient ihm die mangelnde öffentliche Empörung darüber, dass US-Vizepräsident J.D. Vance nachweislich einen "konstitutionellen Putsch" befürwortet habe – ein Fakt, den die Kommentariat des Landes nicht verarbeitet habe.
Spannender als die Faschismus-Debatte ist der zweite Teil des Gesprächs, der den gemeinsamen Nenner in einer linken Analyse offenbart. Beide teilen eine "populistische Diagnose" und, so die überraschende Übereinstimmung, die philosophische Basis für eine scharfe Vermögenssteuer. Der Autor argumentiert, die Unterscheidung zwischen "Gehaltsreichen und Kapitalreichen" sei die entscheidende Grundlage dafür. Er verortet den jahrzehntelangen Konsens für hohe Erbschaftssteuern in einer bewussten "amerikanischen Ablehnung dynastischen Reichtums", die vom Neoliberalismus aufgegeben worden sei. Der Dissens entzündete sich demnach nur an der technischen Umsetzung einer solchen Steuer, nicht am Prinzip.
Einordnung
Der Text ist eine subjektive Gesprächsreflexion, die geschickt zwei ideologische Kämpfe verbindet. Die Argumentation zum Faschismus-Begriff dient vor allem der moralischen Delegitimierung politischer Gegner:innen, wobei die Gegenposition nur als methodisch falsch dargestellt wird. Die eigentliche, fast schon revolutionäre Botschaft liegt in der Umarmung einer radikalen Vermögenssteuer durch zwei für das US-Politikspektrum sehr ungleiche Figuren. Ausgeblendet wird hierbei, dass es sich um eine theoretische Debatte unter Eliten handelt, deren demokratische Umsetzbarkeit völlig unklar ist.
Die Lektüre ist für Leser:innen interessant, die eine scharf formulierte, linksliberale Kapitalismuskritik aus dem Tech-Milieu verfolgen wollen und den intellektuellen Schulterschluss von Personen aus unterschiedlichen politischen Lagern spannend finden. Wer eine differenzierte Auseinandersetzung mit konservativen Argumenten sucht oder die Faschismus-Parallele für überspitzt hält, wird hier nur die Bestätigung der eigenen Vorurteile finden.