Zwei Umweltaktivisten schildern im Freien Radio Dreyeckland einen Konflikt mit dem Freiburger Energieversorger Badenova. Sie hätten aufgedeckt, dass beim Austausch einer Trinkwasserleitung gesundheitsschädlicher Altteer – belastet mit polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen – offen auf Schutthaufen gelagert und unsachgemäß entsorgt worden sei. Die Stadt Freiburg ist größter Anteilseigner des Konzerns und zugleich Aufsichtsbehörde. Die Aktivisten beschreiben ein Vorgehen, das sie als Einschüchterungskampagne seitens des Bauherrn werten. Die Diskussion wird getragen von der Sorge um den Schutz des Grundwassers und von der Frage, ob Behörden ihrer Kontrollfunktion in einer Stadt mit tausenden alter, teerbelasteter Straßen noch nachkommen.
Zentrale Punkte
- Vorsätzlicher Umgang mit Giftmaterial Die Badenova habe gewusst, dass der Straßenuntergrund mit hochgiftigen PAK belastet sei, und dennoch ohne die vorgeschriebenen Probebohrungen und ohne ausreichende Schutzmaßnahmen graben lassen. Die illegale Entsorgung des Materials gefährde das Grundwasser und sei kein Einzelfall, sondern die Spitze eines Eisbergs.
- Konzern droht statt aufzuklären Statt die Verstöße der von ihr beauftragten Tiefbaufirmen zu ahnden, gehe die Badenova juristisch gegen diejenigen vor, die die Missstände öffentlich machten. Per Anwaltsschreiben werde einem der Aktivisten das Betreten der Baustellen und die Entnahme von Proben untersagt – zivilgesellschaftliches Engagement werde so kriminalisiert.
- Strukturelles Behördenversagen Das zuständige Umweltschutzamt habe erklärt, flächendeckende Kontrollen seien staatlich nicht gewollt und man setze auf die Eigenverantwortung des Bauherrn. Diese Haltung führe zusammen mit fehlender Sachkunde bei Kontrolleuren dazu, dass eine gesetzlich eigentlich gut geregelte Entsorgungspraxis systematisch unterlaufen werde.
Einordnung
Die Episode dokumentiert detailreich und aus erster Hand einen zugespitzten, lokalpolitischen Umweltkonflikt. Die Gäste können mit konkreten behördlichen Schriftstücken und detaillierten technischen Ausführungen ihre Vorwürfe untermauern. Der Bericht macht die tiefe Diskrepanz zwischen dem öffentlichen Marketing des Konzerns – voller „Verlässlichkeit“ und „gesellschaftlicher Verantwortung“ – und der von den Aktivisten geschilderten Praxis greifbar. Er zeigt stellvertretend, wie mühsam und konfliktreich der Kampf um Umweltschutz auf kommunaler Ebene sein kann, wenn er sich mit wirtschaftlichen Interessen und personellen Verflechtungen anlegt.
Die Perspektive der Sendung ist ausschließlich die der beiden Aktivisten. Direkte Stellungnahmen der Badenova, der Stadt oder der Gewerbeaufsicht fehlen völlig. Dadurch bleibt offen, wie der Konzern und die Behörden ihr Vorgehen rechtlich und fachlich bewerten. Die Argumentation der Gäste ist klar von einer jahrzehntelangen, teils persönlichen Betroffenheit geprägt und verbleibt in einer empörten Anklagehaltung. Als unhinterfragte Prämisse steht im Raum, dass die Badenova aus reinem Profitstreben und die zuständigen Behörden ausnahmslos ungenügend handeln. Die Sendung ordnet sich selbst weniger als distanziert-journalistische Analyse ein, sondern ausdrücklich als verlängerter Arm und medialer Schutzraum einer zivilgesellschaftlichen Initiative – eine Positionierung, die die Hörer:innen bei der Bewertung der Vorwürfe mitdenken sollten.
Hörempfehlung: Die Episode lohnt sich für alle, die verstehen wollen, wie schwierig sich die Durchsetzung von Umweltstandards in lokalen Machtgefügen gestalten kann und welche Rolle unabhängige Medien dabei spielen.
Sprecher:innen
- Moderator:in (Radio Dreyeckland)
- Dieter Berger – Vertreter des BUND, ehemaliger Tief- und Straßenbauer
- Nick Geiler – Wissenschaftler und Vertreter von regioWASSER e.V.