Jenni Zylka, Kultur- und Medienautorin, nimmt in der Altpapier-Kolumne die aktuelle Berichterstattung über Reality-Star Aleks Petrović unter die Lupe. Der durch Formate wie „Temptation Island VIP“ bekannte Darsteller fiel durch seine misogyne Haltung auf: Er monierte die Sexfrequenz in seiner Partnerschaft und agierte kontrollierend. Nach der Trennung von Vanessa Nwattu wurde er Teil der Show „Prominent getrennt“. Der Spiegel analysiert scharfsinnig: „An Aleks Petrović, dieser groben Miniatur der Gegenwart, lässt sich studieren, wie autoritäres Denken im Privaten beginnt.“ Das Format sei ein „politisches Lehrstück“, das zeige, wie patriarchale Macht durch männliche Zustimmung verstärkt wird. Ein herangezogener Psychoanalytiker erklärt das Verhalten als „sadistische Kontrolle“ – eine ambivalente Dynamik zwischen Nähebedürfnis und Abgrenzung.

Andere Medien wie t-online greifen Petrovićs Vorwürfe auf, er werde „systematisch mundtot gemacht“, während die Südwestpresse in einem kaum verständlichen Artikel mit vielen Zwischenüberschriften und wenig Inhalt die jüngsten Flirts dokumentiert. Zylka ironisiert diesen Stil und zeigt, wie Boulevardjournalismus oft an der Oberfläche bleibt. Sprachlich setzt sie einen Kontrapunkt: Als Antonym zu „Reality-Star“ böte sich der „Fantasy-Star“ an, eine geschützte Pflanzenzüchtung mit Brakteen – Blätter, die nur so tun, als seien sie Blüten. Reality-TV sei eben kein Abbild der Wirklichkeit, sondern inszenierte Ausnahmesituation, wie einst der Medienwissenschaftler Jürgen Grimm betonte.

Einordnung

Die Kolumne lenkt den Blick auf die gesellschaftliche Relevanz von Trash-TV und zeigt, wie sexistische Verhaltensmuster dort ungefiltert sichtbar werden. Zylka lobt den Spiegel für seine tiefgründige Analyse, kritisiert aber beiläufig boulevardeske Berichterstattung als oberflächlich. Ihre ironische Distanz und die Einordnung in medienwissenschaftliche Kontexte unterstreichen den Anspruch des Altpapiers, Medienkritik zu liefern. Allerdings blendet sie aus, dass Reality-TV oft auch Empowerment-Narrative oder queere Perspektiven bietet; ihr Fokus liegt stark auf heteronormativen, patriarchalen Dynamiken. Die implizite Annahme, Zuschauer:innen könnten aus den Formaten tatsächlich lernen, bleibt fragwürdig – die Quote lebt schließlich von Voyeurismus. Wer sich für Medienkritik und Genderdiskurse interessiert, findet hier eine kluge, unterhaltsame Analyse. Leseempfehlung.