Haken dran – das Social-Media-Update der c't: Gras anfassen statt Doomscrolling (mit Charlotte Voß)
"Haken dran" analysiert die rechtlichen und gesellschaftlichen Hürden für ein Social-Media-Verbot und Metas globale Lobby-Strategien.
Haken dran – das Social-Media-Update der c't
69 min read3612 min audioIn dieser Episode des c't-Podcasts „Haken dran“ diskutieren Kevin und Charlotte aktuelle Entwicklungen der Plattformökonomie. Im Zentrum stehen Regulierungsversuche wie das in Deutschland debattierte Social-Media-Verbot für Minderjährige sowie juristische Auseinandersetzungen um X und Meta. Der Podcast ist als dialogischer News-Rückblick angelegt, in dem nachrichtliche Fakten unmittelbar mit persönlichen und redaktionellen Einschätzungen verwoben werden.
Auffällig ist die kommunizierte Grundannahme, dass große Tech-Konzerne Regulierungen primär aus Eigeninteresse vorantreiben oder abwehren. Verbotsdebatten werden als entlastende, populistische Scheinlösungen gerahmt, während das liberale Prinzip der informationellen Selbstbestimmung als unhinterfragter Standard der Diskussion dient. Der Diskurs über digitale Räume wird hier nicht primär entlang einer klassischen Links-Rechts-Achse geführt, sondern explizit als Auseinandersetzung zwischen autoritären staatlichen Eingriffen und einer liberalen Netzpolitik strukturiert.
### Zentrale Punkte
* **Social-Media-Verbot**
Laut einem Gutachten scheitere ein Social-Media-Verbot für Minderjährige an EU-Recht und Grundgesetz. Verbotsforderungen seien oft populistische Scheinlösungen für komplexe gesellschaftliche Probleme.
* **Metas Lobby-Netzwerk**
Meta habe mutmaßlich Milliarden über Tarnorganisationen in Lobbyarbeit investiert, um gesetzliche Altersverifikationen proaktiv auf die Ebene der Smartphone-Betriebssysteme abzuwälzen.
* **Community Notes**
Dass Meta das Oversight Board zur Einführung von Community Notes konsultiere, diene vor allem der eigenen Legitimation. Die Auslagerung von Faktenprüfung an die Mehrheit berge enorme Risiken.
* **Musks Werbeboykott-Klage**
Die abgewiesene Klage von X gegen Werbetreibende sei ein klassischer Einschüchterungsversuch gewesen. Musks Vorgehen basiere primär auf gekränktem Ego und nicht auf rechtlicher Substanz.
### Einordnung
Die Episode besticht durch eine differenzierte Kontextualisierung von Tech-Nachrichten. Politische Forderungen werden konsequent mit rechtlichen Realitäten, wie dem Digital Services Act oder dem Grundgesetz, abgeglichen. Eine Stärke ist zudem die medienkritische Reflexion der Moderation: So kritisiert Kevin die Übernahme repressiver Deutungsmuster durch Leitmedien, wenn das parlamentarische Ende der Chatkontrolle unhinterfragt als „herber Rückschlag im Kampf gegen Kinderpornografie“ gerahmt werde. Gleichzeitig verbleibt das Gespräch thematisch bedingt stark in einer westlichen Tech-Blase. Obwohl die patriarchalen Machtstrukturen hinter KI-generierten Deepfakes klar benannt werden, wird das Thema durch die lockere Plauder-Rhetorik des Formats fast beiläufig abgehandelt. Dies erzeugt eine spürbare Reibung zwischen der Schwere von Themen wie digitaler sexualisierter Gewalt und der unterhaltungsorientierten Präsentation des Podcasts.
**Hörempfehlung**: Lohnenswert für Hörer:innen, die sich für die Schnittstelle zwischen Plattformregulierung, intransparentem Lobbyismus und digitaler Bürgerrechtspolitik interessieren.
### Sprecher:innen
* **Kevin** – Moderator, ordnet Tech-Nachrichten rechtlich und netzpolitisch ein
* **Charlotte** – Gästin (Audience Development beim Deutschlandradio), Co-Kommentatorin