In dieser Folge des Podcasts vertreten Claudia Sarre und Sarah Schmidt, beide erfahrene US-Korrespondentinnen, die sonst moderierenden Ingo Zamperoni und Jiffer Bourguignon. Ihr Thema ist der zunehmende Druck auf Donald Trump, sowohl durch den festgefahrenen Iran-Konflikt als auch durch erste deutliche Risse im eigenen Lager. Der ehemalige Fox-News-Moderator und MAGA-Hardliner Tucker Carlson habe öffentlich mit Trump gebrochen, weil dieser sich im Iran-Krieg zum Werkzeug des israelischen Ministerpräsidenten Netanjahu gemacht habe und damit die „America First“-Linie verrate.

Die beiden Journalistinnen gehen dabei von der Annahme aus, dass Trumps widersprüchlicher Kurs – zwischen Drohungen und Beschwichtigungen – vor allem innenpolitisch motiviert sei: Er müsse den Unmut über steigende Lebenshaltungskosten dämpfen und vor den Midterms Erfolge vorweisen. Die Frage, ob der Bruch mit Carlson eine tiefere Spaltung der republikanischen Basis signalisiert, bleibt allerdings offen.

Zentrale Punkte

  • Kriegsende als PR-Erzählung Trump verbreite gezielt die Darstellung, der Iran-Krieg sei „fast vorbei“ und nur ein „kurzer Ausflug“ gewesen, so Sarah Schmidt. Dieses Narrativ solle von den ausbleibenden diplomatischen Fortschritten, den steigenden Benzinpreisen und der schwindenden öffentlichen Zustimmung ablenken.
  • Carlsons Bruch als ideologische Zäsur Tucker Carlson werfe Trump vor, keine souveräne Entscheidung getroffen, sondern sich Netanjahu unterworfen zu haben, heißt es unter Berufung auf ein Interview mit der New York Times. Dies sei der Kern des Zerwürfnisses: der Verrat am isolationistischen „America First“-Prinzip, das beide zuvor geeint habe.
  • Unmut jenseits der Außenpolitik Die Unzufriedenheit in der MAGA-Bewegung speise sich nicht nur aus dem Iran-Krieg, erklären die Korrespondentinnen. Figuren wie Marjorie Taylor Greene kritisierten Trump auch für den Umgang mit den Epstein-Akten oder die Selbstinszenierung als Jesus – Symptome eines schwindenden Vertrauens auch an der Basis.

Einordnung

Die Stärke dieser Episode liegt in der präzisen Einordnung der stagnierenden Iran-Verhandlungen und des strategischen Kommunikationsverhaltens Trumps. Sarah Schmidt arbeitet mit konkreten Beispielen – etwa der bewussten Umdeutung des Krieges zum „Iran-Ausflug“ – und zeigt, wie sehr Trumps außenpolitisches Kalkül von den miserablen Umfragewerten und der Sorge vor den Midterms getrieben ist. Die persönliche Perspektive der Korrespondentin auf die Alltagssorgen der Amerikaner:innen gibt den abstrakten Zustimmungsraten ein greifbares Gesicht.

Die Analyse des Carlson-Bruchs bleibt hingegen auf der Ebene von Einzelpersonen und öffentlichen Statements. Carlsons jahrelange, im Podcast selbst erwähnte Rolle als Verbreiter von Verschwörungserzählungen und rassistischen Äußerungen wird von seinem aktuellen Anti-Kriegs-Kurs fast vollständig entkoppelt. Die Frage, ob sein Isolationismus je etwas anderes war als ein wechselndes Mittel zum Machterhalt, wird nicht vertieft. Zudem wird die „America First“-Doktrin lediglich als Wunsch nach außenpolitischer Zurückhaltung verhandelt, ohne die wirtschaftsnationalistischen oder xenophoben Kerne dieser Position zu thematisieren. Das Feld, auf dem dieser Bruch stattfindet, wird so enger abgesteckt, als es tatsächlich ist.

Hörempfehlung: Hörenswert für alle, die verstehen wollen, wie der Unmut über den Iran-Krieg Trumps eigenes Lager spaltet und welche Rolle Figuren wie Tucker Carlson dabei spielen.