Die Ungleichheit in den USA, so Paul Krugman, ist nicht nur eine Wiederholung der Geschichte. Er argumentiert, dass die heutige Ära der Tech-Milliardäre die des Gilded Age in ihrer zerstörerischen Kraft sogar übertrifft. Als Hauptbeleg dient ihm eine Statistik des Ökonomen Gabriel Zucman, wonach die Vermögenskonzentration an der Spitze heute höher ist als am damaligen Höhepunkt. Im Gegensatz zu den alten Räuberbaronen wie Andrew Carnegie zeigten heutige Oligarchen wie Elon Musk oder Peter Thiel jedoch kaum Philanthropie.

Noch entscheidender als die Knauserigkeit sei aber die exzessive politische Macht, die aus diesem Reichtum erwachse. Durch Urteile wie "Citizens United" könnten Plutokraten Wahlen mit Geld fluten. Krugman illustriert das am Beispiel von J.D. Vance, dessen Senatskampagne von Thiel finanziert wurde, und an Musks Kontrolle über Regierungsoperationen, die er nutzte, um Entwicklungshilfe zu streichen – mit hunderttausenden Toten als Folge.

Trotzdem sieht Krugman einen beginnenden Widerstand. Eine YouGov-Umfrage zeige, dass eine überwältigende Mehrheit der Amerikaner:innen die Kluft zwischen Arm und Reich als großes Problem betrachte. Diese Wut auf die Korruption der Administration könne für die Midterms entscheidend werden. Was es jetzt brauche, seien Politiker:innen, die sich nicht von der Hysterie der Superreichen einschüchtern lassen und den Kampf gegen die Oligarchie nicht als linken Radikalismus scheuen. Die Gelegenheit für einen echten Populismus sei da, so Krugman abschließend mit einem F.D.R.-Zitat: "I welcome their hatred."

Einordnung

Krugman, ein progressiver Ökonom und Kolumnist, schreibt aus einer klar keynesianischen und sozialdemokratischen Warte. Sein Framing der Tech-Milliardäre als "mean-spirited men" und die direkte Gleichsetzung mit politischer Korruption sind rhetorisch wirkungsvoll, blenden aber strukturelle und globale Dynamiken aus, die die Vermögenskonzentration antreiben. Die implizite Annahme, dass eine Rückkehr zu einem stärkeren Sozialstaat und höheren Steuern unter einem geeinten "Volk" einfach umsetzbar wäre, vereinfacht die tiefe politische Polarisierung. Unausgesprochen bleibt zudem, ob die Ursache der Macht im Geld oder in der deregulierten Plattform-Ökonomie selbst liegt.

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