In einem 30-minütigen Panel auf der re:publica 26 diskutierten Fritzi Köhler-Geib (Deutsche Bundesbank), Gabi Dreo (UniBW München) und Martin Hofmann (ehemaliger VW-CIO, Gründer von Novagentika) unter Moderation von Karen Funk über digitale Souveränität. Das Motto: Europa importiere 80 % seiner digitalen Infrastruktur und müsse Abhängigkeiten reduzieren, dabei aber technologisch an der Spitze bleiben.
- Abhängigkeiten bewusst machen und aktiv reduzieren: Köhler-Geib betonte, die Bundesbank habe eine „Doppelstrategie“ mit US-Hyperscalern und EU-nativen Anbietern, denn „deutsche und europäische Anbieter sind viel besser als ihr Ruf“.
- Souveränität brauche Architekturarbeit: Hofmann kritisierte, Outsourcing habe Unternehmen „verdummt“ und sie müssten wieder in Enterprise-Architektur investieren, um Komponenten austauschbar zu machen – ein harter, aber notwendiger Prozess.
- Quantencomputing als Treiber und Bedrohung: Dreo warnte, in drei bis fünf Jahren könne ein General-Purpose-Quantencomputer heutige Verschlüsselung brechen; gleichzeitig böten sich Chancen, wenn Europa in die Entwicklung einsteige und nicht nur konsumiere.
Einordnung
Das Panel bietet eine sachliche, konstruktive Diskussion, lebt aber von den institutionellen und ökonomischen Perspektiven der geladenen Expert:innen. Die Moderation hält die Runde straff und fragt gezielt nach. Auffällig ist, dass Souveränität fast ausschließlich als Frage von wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit und technologischer Unabhängigkeit verhandelt wird – gesellschaftliche, demokratiepolitische oder grundrechtliche Aspekte (etwa Datenschutz oder digitale Selbstbestimmung der Bürger:innen) spielen kaum eine Rolle. Das dominante Frame lautet: ‚Wir müssen wieder ins Machen kommen und unsere Innovationskraft entfesseln‘; strukturelle Ungleichheiten oder unterschiedliche Interessen innerhalb der EU werden nicht thematisiert. Die Bundesbank präsentiert sich als Technologiekonzern, was ihre Expertise unterstreicht, aber die Zentralbank als Teil des Problems finanzieller Abhängigkeiten oder als machtvoller Akteur unkritisch lässt. Insgesamt liefert das Gespräch nützliche Einblicke in strategische Überlegungen von Institutionen, bleibt jedoch im neoliberalen Wachstumsnarrativ verhaftet und blendet alternative Souveränitätsverständnisse aus. Sehpfehlung mit Einschränkungen: Wer erfahren will, wie Notenbank, Bundeswehr-Expertise und ein Ex-CIO das Thema angehen, findet fundierte Positionen; wer tiefere gesellschaftspolitische Analyse sucht, wird enttäuscht.