Der Deutschlandfunk-Podcast "Der Tag" widmet sich in dieser Sonderfolge der Frage, wie viel von Trumps "Project 2025" nach einem halben Jahr Amtszeit bereits Realität geworden ist. Moderator Philipp Mai diskutiert mit der Washington-Korrespondentin Doris Simon und dem DLF-Redakteur Milan Prosek.
1. Project 2025 sei längst Teil der US-Regierung
Doris Simon zählt über 30 ehemalige Project-2025-Mitarbeiter:innen in Schlüsselpositionen auf, darunter Russell Voe (Haushalts- und Verwaltungsamt), Stephen Miller (Weißes Haus) und Tom Homan (ICE). Die massenhaften Entlassungen, das Einfrieren von Fördermitteln und die Privatisierung des Wetterdienstes seien direkt aus dem Plan übernommen worden.
2. Paul Dance lobt Trump als "Wirbelwind der Demokratie"
Milan Prosek zitiert den ehemaligen Project-2025-Direktor Paul Dance mit den Worten: "He's really restoring democracy, putting people back in charge of their own government." Dance sieht Trump als Erfüllungsgehilfen seiner konservativen Revolution.
3. Die "Demokratie" sei auf Präsidentenmacht umdefiniert
Dance rechtfertigt die Machtkonzentration beim Präsidenten mit der These, der "Administrative State" sei ein "illegaler vierter Gewaltenzweig". Die Lösung: Alle Entscheidungen müssten direkt vom gewählten Präsidenten getroffen werden.
4. Linkes Wirtschaftskritik-Argument werde umgedeutet
Interessanterweise nutzen die Konservativen dieselbe Wirtschaftskritik wie Bernie Sanders - dass das reiche Amerika die Arbeiter:innen im Stich lasse. Die Lösungswege seien jedoch konträr: Statt Sozialstaat fordern sie radikale Deregulierung und Entstaatlichung.
5. Historische Abrechnung mit Roosevelt und New Deal
Die Trump-Administration sehe Franklin D. Roosevelts New Deal als "Sozialismus" und wolle die USA auf eine Prä-New-Deal-Ära zurückführen - mit McKinley statt Roosevelt als Vorbild.
Einordnung
Der Podcast zeigt journalistische Professionalität durch klare Struktur und Faktenchecks. Die Moderator:innen stellen kritische Nachfragen und konterkarieren die von Paul Dance präsentierte Selbstdarstellung. Besonders bemerkenswert ist die differenzierte Darstellung, wie konservative Akteure linke Wirtschaftskritik instrumentalisieren, um eine anti-staatliche Agenda durchzusetzen. Die Diskussion um die Umdefinierung von Demokratie - weg von checks and balances hin zur absoluten Präsidentenmacht - wird sachlich aufgearbeitet. Die fehlende Gegenposition von Trump-Unterstützern im Gespräch wird durch die klare Positionierung der Journalist:innen kompensiert. Die historischen Vergleiche (Roosevelt, McKinley) vermitteln Kontext ohne zu vereinfachen. Die Sendung liefert eine fundierte Analyse der Systemtransformation, ohne sich von der Trump-Administrations-Rhetorik instrumentalisieren zu lassen.