In dieser Episode von „Holger ruft an“ diskutieren Holger Klein und Thomas Schnedler vom Netzwerk Recherche die Folgen der Digitalisierungsstrategie der „Ostthüringer Zeitung“ im Raum Greiz. Im Zentrum der Fallstudie steht die Untersuchung, wie sich der Rückzug klassischer Printmedien auf den lokalen Informationsraum auswirkt. Der Diskussion liegt die unhinterfragte Prämisse zugrunde, dass klassischer, professioneller Lokaljournalismus existenziell für eine funktionierende Demokratie sei. Die ökonomischen Zwänge der Großverlage – wie die Einstellung unwirtschaftlicher Lieferrouten – werden dabei als unausweichliche marktwirtschaftliche Realität gesetzt. Abweichendes Nutzungsverhalten des Publikums wird infolgedessen primär als demokratisches Defizit verhandelt. ### Zentrale Punkte * **Vakuum statt Nachrichtenwüste** Schnedler erläutere, dass beim Wegfall lokaler Printmedien keine reine Leere entstehe. Stattdessen füllten kostenlose Alternativen wie kommunale Amtsblätter und rechte Scheinzeitungen das entstandene Informationsvakuum. * **Tarnung als Lokaljournalismus** Es werde dargelegt, dass AfD-Politiker einen traditionsreichen lokalen Zeitungsnamen reaktiviert hätten. Unter diesem Deckmantel verbreiteten sie Partei-Pressemitteilungen als vermeintlich seriösen Journalismus. * **Forderung nach Medienförderung** Die mangelnde Fähigkeit des Publikums zur Quellenkritik werde als Kernproblem identifiziert. Als strukturellen Lösungsansatz diskutiere man die rechtliche Anerkennung der Gemeinnützigkeit für journalistische Neugründungen. ### Einordnung Das Gespräch liefert wertvolle empirische Einblicke, da für die zugrundeliegende Recherche aktiv mit dem lokalen Publikum gesprochen wurde, statt nur Verlagsentscheidungen zu analysieren. Kritisch aufzuzeigen ist jedoch eine teils paternalistische Sichtweise auf die Konsument:innen: Deren abnehmende Zahlungsbereitschaft und die Zuwendung zu kostenlosen Social-Media-Angeboten werden vorrangig als Defizit an Medienkompetenz gerahmt. Zudem bleibt die Grundannahme unhinterfragt, dass für „ein ja, immer schwieriger werdendes Geschäftsmodell“ zwingend neue rechtliche Förderinstrumente geschaffen werden müssten, statt grundlegender über die Formate des Journalismus selbst zu debattieren. **Hörempfehlung**: Lohnenswert für politisch Interessierte, da die konkreten Mechanismen rechter Landnahme im lokalen Informationsraum jenseits theoretischer Debatten präzise nachgezeichnet werden. ### Sprecher:innen * **Holger Klein** – Moderator und Host des Übermedien-Podcasts * **Thomas Schnedler** – Co-Geschäftsführer des Netzwerks Recherche, Mitautor der Studie --- ENDE TEMPLATE ---