In dieser Episode des Podcasts „Sounds of Science“ (Sonderformat: Die transformative Kraft der Gruppe) spricht der Gastgeber mit den Therapeutinnen Katja Scholz und Dr. Maud Rix über Multifamilientherapie (MFT). Im Zentrum der Unterhaltung steht die psychotherapeutische und pädagogische Arbeit mit Gruppen von sechs bis sieben Familien in Kliniken, in der Jugendhilfe oder in Schulen. Der Diskurs des Interviews ist stark von einer harmonischen, systemischen Grundhaltung geprägt. Traditionelle therapeutische Hierarchien werden im Gesprächsverlauf verbal abgebaut, während die Eigenverantwortung der Eltern als zentraler und unhinterfragter Lösungsansatz präsentiert wird. Die therapeutische Arbeit wird durchweg als ressourcenorientierter Prozess gerahmt, bei dem das familiäre System als eigentlicher Experte für die jeweilige Problemstellung fungiert. ### Zentrale Punkte * **Veränderte Therapeutenrolle** Scholz und Rix erklären, dass Therapeut:innen in der Mehrfamilienarbeit ihre klassische Ratgeberrolle ablegen müssten. Vielmehr bestehe ihre Aufgabe darin, den Rahmen für den gegenseitigen Erfahrungsaustausch zu sichern. * **Integration in den Schulalltag** Das Konzept des Familienklassenzimmers ziele darauf ab, eine Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Lehrkräften herzustellen. Ohne die aktive Einbeziehung der Eltern seien schulische Probleme oft gar nicht nachhaltig lösbar. * **Methodische Voraussetzungen** Für die Leitung solch großer Gruppen brauche es neben einer fehlerfreundlichen Haltung auch Mut und Humor. Eine anfänglich stärkere Strukturierung der Sitzungen sei zwingend notwendig, um Chaos zu vermeiden und Sicherheit zu vermitteln. ### Einordnung Das Gespräch bietet einen detaillierten, praxisnahen Einblick in die Methodik der Multifamilientherapie. Positiv hervorzuheben ist die anschauliche Schilderung, wie etablierte therapeutische Hierarchien zugunsten der elterlichen Expertise sprachlich und methodisch aufgelöst werden können. Kritisch anzumerken ist der durchgehend unhinterfragte Konsens zwischen den Sprecher:innen: Mögliche systemische Grenzen der Methode oder strukturelle Überlastungen im Bildungs- und Gesundheitswesen bleiben vollständig unerwähnt. Insbesondere beim Thema Schule wird die reibungslose Anpassung der Kinder an das existierende Bildungssystem als fraglose Notwendigkeit vorausgesetzt, wobei der Fokus rein auf der Verhaltensänderung innerhalb des familiären Mikrokosmos verbleibt. **Hörempfehlung**: Empfehlenswert für ein Fachpublikum aus Therapie, Pädagogik und Sozialarbeit, das sich für systemische Gruppenansätze und den Abbau klassischer Behandlungs-Hierarchien interessiert. ### Sprecher:innen * **Gastgeber** – Unbenannter Moderator des Podcasts, Gruppentherapeut * **Katja Scholz** – Therapeutin in der Familientagesklinik Dresden, MFT-Ausbilderin * **Dr. Maud Rix** – Freiberufliche Familientherapeutin in der Jugendhilfe und Schule