In dieser Episode spricht Philipp Westermeyer mit Jens und Jan Erhard, den Köpfen hinter dem Vermögensverwalter DJE. Der thematische Aufhänger ist die kürzliche Finanzierungsrunde von SpaceX, an der sich DJE nicht beteiligt habe. Was als Erklärung einer einzelnen Investitionsentscheidung beginnt, entfaltet sich zu einem Gespräch über eine Welt, in der Vermögensverwaltung stark von persönlichem Zugang und generationenübergreifenden Netzwerken geprägt ist. Die Art, wie über den Zugang zu Unternehmenslenkern gesprochen wird – etwa Treffen mit dem CEO von SpaceX oder jahrzehntelange Kontakte zu DAX-Vorständen – wird als selbstverständlicher Teil des Geschäfts dargestellt. Dieses Beziehungsgeflecht erscheint dabei nicht als privilege, sondern als rationale Grundlage für Anlageentscheidungen.
Zentrale Punkte
- SpaceX: Zu teuer und regulatorisch gesperrt Jan Erhard begründe den Verzicht auf eine SpaceX-Beteiligung mit dem hohen Rüstungsanteil, der DJE regulatorisch einschränke, sowie einer als extrem hoch bewerteten Einstiegsbewertung. Jens Erhard ergänze, die Mission sei die „teuerste“ gewesen, die er in fast 60 Berufsjahren gesehen habe, das Chance-Risiko-Verhältnis sei unklar.
- Informationsvorsprung durch persönliche Nähe Die Erhards beschreiben den direkten Zugang zum Top-Management als zentrale Informationsquelle. Während früher Reisen zu verschwiegenen DAW-Vorständen nötig gewesen seien, erfolge der Austausch heute auf exklusiven Konferenzen. Dieser exklusive Wissenskanal werde als legitimer, fast schon historisch gewachsener Geschäftsvorteil präsentiert.
- Langfristiges Kennen als Anlagestrategie Jan Erhard betone, dass seriöses Investieren nur bei etwa 15 bis 20 Titeln möglich sei, die man über Jahre bis Jahrzehnte genau verfolgt habe. Am Beispiel von TSMC, mit dem er sich seit 15 Jahren beschäftige, zeige sich, dass frühere Analysen ein späteres schnelles Wiedereinsteigen in schwierigen Marktphasen ermöglichten. Diese tiefe Historie mit Firmen sei ein nicht replizierbarer Wettbewerbsvorteil.
Einordnung
Die Episode gewährt einen seltenen Einblick in die Denkweise von Vermögensverwaltern, die weniger auf quantitative Modelle als auf über Jahrzehnte kultivierte Beziehungen und ein narratives Verständnis von Unternehmen setzen. Die Erhards legen ihre auf Bewertungsdisziplin und Risikominimierung fokussierte Philosophie („Value Bias“) transparent dar, was für Hörer:innen, die sich für konservative Anlagestrategien interessieren, aufschlussreich sein kann. Die historischen Anekdoten von Jens Erhard vermitteln zudem ein lebendiges Bild der Professionalisierung des deutschen Finanzplatzes.
Kritisch bleibt, dass die zentrale Rolle von exklusivem Zugang und Informationsasymmetrie nicht selbstkritisch reflektiert wird. Die Fähigkeit, CEOs zu treffen und als bekanntes Haus Einladungen zu erhalten, wird als gegebener, fast natürlicher Teil des Geschäfts geschildert. Damit fehlt eine Einordnung, inwiefern dies einen strukturellen Vorteil gegenüber kleineren Marktteilnehmer:innen darstellt. Auch die regulatorische Einschränkung bei Rüstungsgütern wird ohne weitere Diskussion als bloßes Hindernis benannt, dessen Wegfall in Aussicht stehe – die politischen Implikationen dieser Anlageklasse bleiben unausgesprochen. Das Gespräch verbleibt so ganz in der Perspektive des institutionellen Großanlegers.
Sprecher:innen
- Philipp Westermeyer – Host und OMR-Gründer
- Jens Erhard – Gründer und Senior-Chef der DJE Gruppe, „Mr. Kali und Salz“
- Jan Erhard – Sohn von Jens Erhard, Fondsmanager und Geschäftsführer bei DJE