Marlene Bellissimo aka Avelo: Warum Deutschland eine laute Transe braucht

In dieser Episode spricht die US-amerikanische Trans-Comedian Marlene Bellissimo, alias Avelo, über ihre Positionierung innerhalb und außerhalb der queeren Community. Sie verstehe sich als "post-woke" und lehne die vorherrschende Sanftmut in der queeren Kultur ab, die sie als unehrlich und ahistorisch kritisiert. Im Zentrum steht die Auseinandersetzung mit Begriffen und Symbolen, die als inklusiv gelten, von Avelo jedoch als praktisch untauglich oder kommerzialisiert dargestellt werden.

Die Moderatoren Dominik Steffens und Jan Feddersen reihen das Gespräch in ihren Claim "Meinung muss man aushalten" ein und stimmen Avelos Kritik an der Progress Flag oder dem FLINTA-Begriff wiederholt beifällig zu. Als selbstverständlich wird dabei gesetzt, dass der aktuelle queere Aktivismus überzogene Forderungen stelle und eine Opferkonkurrenz befördere, die den tatsächlichen Zusammenhalt zerstöre.

Zentrale Punkte

  • Kritik an FLINTA und Intersektionalität Avelo behaupte, der Begriff FLINTA schließe in der Praxis gerade die Personen aus, die er einschließen wolle, etwa Transmänner oder als männlich gelesene Transfrauen. Sie sehe darin eine homophobe Haltung gegenüber schwulen Männern, die pauschal als Bedrohung dargestellt würden, sowie einen ahistorischen Ausschluss aus der gemeinsamen queeren Geschichte.

  • Progress Flag als Kommerz und Entfremdung Die Progress Flagge lehne Avelo nicht nur aus ästhetischen Gründen ab, sondern weil sie eine Kommerzialisierung darstelle. Die Urheberrechtspolitik der Schöpferin zwinge kleine queere Projekte zur Kasse, während die ursprüngliche Regenbogenfahne frei zugänglich gewesen sei. Zudem verkenne die Flagge die geteilte Geschichte von Schwulen und Transpersonen.

  • Fitnessstudio-Rauswurf und die Hysterie-These Nach ihrem Outing sei sie aus einem Frauen-Fitnessstudio gekündigt worden. Avelo argumentiere, die Debatte um Schutzräume beruhe auf einer Hysterie ohne statistische Grundlage. Sie vergleiche den Ausschluss Transgender mit historischer Homophobie und betone, dass diskriminierende Kontrollen auch Butch-Lesben träfen.

  • Ineffizienz des Slogans "Transfrauen sind Frauen" Den Slogan halte Avelo für wirkungslos, da er oft ohne Erklärung wiederholt werde. Um Rechten entgegenzutreten, müssten queere Personen besser begründen können, warum sie unter Druck stünden, statt sich auf leere Phrasen oder Pronomen-Debatten zu reduzieren, die vor allem Unternehmen für performative Inklusion nutzbar machten.

Einordnung

Die Episode bietet die seltene Perspektive einer Transfrau, die sich explizit von Mainstream-Diskursen der queeren Community abgrenzt. Avelo bringt konkrete eigene Erfahrungen ein – etwa die Kündigung im Fitnessstudio – und verweist auf historische Zusammenhänge, wie die Verbundenheit von schwulen Männern und Transfrauen beim Stonewall-Aufstand. Das Gespräch hat dort Stärken, wo es praktische Widersprüche in der Anwendung von FLINTA-Räumen aufzeigt.

Kritisch ist zu sehen, dass die Moderatoren Avelos Thesen kaum hinterfragen, sondern deren Polarität affirmativ aufgreifen. Wenn Jan Feddersen Intersektionalität pauschal als "Opferkonkurrenz" rahmt und Avelos Sicht auf die Debatte um das Selbstbestimmungsgesetz als "Hysterie" unkommentiert stehen bleibt, wird die Gegenseite systematisch ausgeblendet. Die Skepsis gegenüber Schutzräumen wird ohne empirische Einordnung vorgetragen. Für Hörer:innen, die Diskursverschiebungen innerhalb der queeren Szene aus der Perspektive einer Betroffenen nachvollziehen wollen, ist das Gespräch aufschlussreich, erfordert aber kritische Distanz zur einseitigen Moderation.

Sprecher:innen

  • Marlene Bellissimo (Avelo) – Trans-Comedian und Influencerin
  • Dominik Steffens – Journalist und Podcaster (Based.)
  • Jan Feddersen – Journalist und Podcaster (Based.)