Der Newsletter, verfasst vom Autor des „The Cross Section“-Blogs – eines der anti-Trump-konservativen Publikation „The Bulwark“ nahestehenden Mediums –, seziert die zunehmende Entfremdung zwischen den Tech-Milliardären des Silicon Valley und der breiten Bevölkerung. Der Text ist eine polemische Abrechnung mit einer Kaste superreicher „Thought Leader", die sich als missverstandene Visionäre inszenieren, während ihre KI-Produkte für die meisten Menschen vor allem nervig oder bedrohlich sind. Das zentrale Motiv ist dabei das Ausbuhen von Google-Ex-CEO Eric Schmidt bei einer Abschlussrede an der University of Arizona.
Schmidt hatte dort, wie auch andere Tech-Größen an anderen Universitäten, die junge Generation auf eine unausweichliche KI-Zukunft einzuschwören versucht und wurde dafür ausgebuht. Der Autor nutzt diese Episode als Kontrastmittel, um die Realitätsverweigerung der Superreichen offenzulegen. Er zitiert Mark Andreessen von der Venture-Capital-Firma a16z mit einer entlarvenden Passage, die die Hybris dieser Kreise auf den Punkt bringt. Andreessen vergleicht private Dinner und Gruppenchats unter Milliardären mit sowjetischer Untergrundliteratur – ein „Samizdat“, weil sie dort öffentliche Kritik fürchten müssten. Der Text kommentiert sarkastisch, dass das größte Leiden dieser Leute also nicht der Gulag sei, sondern auf Twitter „Arschloch“ genannt zu werden.
Diese selbstmitleidige Haltung, so die Argumentation, hat handfeste politische Konsequenzen: a16z steckt 115 Millionen Dollar in die US-Zwischenwahlen, um republikanische Kandidat:innen zu unterstützen, die eine minimale Regulierung von KI und Krypto versprechen. Die zynische Pointe des Newsletters ist, dass die Empörung der Milliardäre eine Dankbarkeit einfordert, die sie nicht verdient haben. Die konkrete KI-Erfahrung der Menschen ist nicht der utopische Krebsheilungs-Durchbruch, von dem Schmidt und Co. schwärmen, sondern die tägliche Konfrontation mit invasiver und schlecht gemachter Technologie. Als Beispiel dient ein KI-Menü von Taco Bell, das Fahrerin und Fahrzeug analysiert, um auf Basis stereotyper Zuschreibungen das Essensangebot „dynamisch“ zu verändern. Genau dieser KI-„Schrott“ – der „Slop“ – ist für junge Menschen die Realität, wenn ihnen gepredigt wird, sie müssten sich der neuen industriellen Revolution widerstandslos beugen.
## Einordnung
Der Autor argumentiert aus einer konservativ-libertären, aber klar Anti-Trump- und Anti-Monopol-Haltung heraus. Er bedient sich einer populistischen Rhetorik – der einfache, gesunde Menschenverstand gegen die abgehobenen Eliten –, die grundsätzlich auch in linken Kapitalismuskritiken zu finden ist. Die Analyse gewinnt ihre Schärfe aus brillant formuliertem Spott, bleibt in ihrer ökonomischen Tiefe jedoch bewusst oberflächlich und fokussiert auf kulturelle Symptome. Die ausgeblendete Perspektive ist die Möglichkeit eines tatsächlich gesellschaftlich nützlichen KI-Einsatzes jenseits der Konsumsphäre, was den ansonsten treffenden dystopischen Blick etwas verengt. Unausgesprochen steht dahinter die fast nostalgische Annahme, dass Technologie eigentlich einem unverfälschten menschlichen Nutzen dienen sollte.
Seine besondere Relevanz hat dieser Text als Stimmungsbarometer einer Entfremdung, die das politische Fundament der Tech-Industrie untergräbt. Lesenswert ist er für alle, die eine kurzweilige, bissige Dekonstruktion der tech-utopischen PR-Narrative suchen und sich an der Kolportage von Milliardärs-Skurrilitäten erfreuen. Wer eine tiefgehende Analyse von KI-Regulierung oder Wirtschaftsstrukturen erwartet, sollte allerdings woanders weiterlesen.