TEXT: Götz Kubitschek, Verleger von Antaios, kommentiert einen Podcast-Beitrag des ehemaligen Welt-Journalisten Robin Alexander, der die Empfehlung von Jean Raspails Roman "Das Heerlager der Heiligen" durch den Publizisten Harald Martenstein als Ergebnis einer über Jahre verfolgten Strategie des Verlags deutet. Bemerkenswert ist nicht der Anlass, sondern Kubitscheks Reaktion: Er widerspricht der Analyse nicht, sondern bestätigt sie ausdrücklich – bis auf einen Punkt. Alexander hatte drei Phasen skizziert: Schulungsarbeit im vorpolitischen Raum, die gezielte Übernahme der AfD ab 2013/2014 und seither systematische Versuche, publizistische "Brandmauern" zu durchstoßen. Kubitschek korrigiert lediglich die Beschreibung der ersten Phase – nicht "Dorfnazis" seien geschult worden, sondern der gebildete Teil einer Generation, die rechts der Mitte kein intellektuelles Angebot vorfand.
Entscheidend ist, wie Kubitschek die zweite Phase rechtfertigt. Er bezeichnet die Übernahme der AfD durch neurechte Kader explizit als legitimes "Kapern" und zieht drei historische Vorbilder heran: die Übernahme bündischer Jugendverbände durch sozialistische Gruppen, die Übernahme der frühen Grünen durch K-Gruppen um Fischer und Trittin sowie die Durchdringung von Universitäten und Lehrerverbänden mit linksradikaler Pädagogik. Aus dem Studium dieser drei Fälle, schreibt er, habe die Neue Rechte gelernt, wie man eine ursprünglich liberalkonservative politische Kraft – die frühe, euro-kritisch-professorale AfD – systematisch nach rechts verschiebt und übernimmt. Er hält fest, dass dabei ideologische Substanz sekundär sei: Wichtig sei allein, dass die Partei "rechts" ist und nach der Macht greift, unabhängig davon, wieviel vom ursprünglichen Programm übrigbleibt.
Kubitscheks Prognose geht über den Tagesanlass hinaus: In anderthalb Jahrzehnten werde sich in Deutschland ein umfassendes, bislang nicht vorhandenes weltanschauliches Milieu herausbilden – mit eigenen Parteien, Verlagen, Institutionen, Medien, Lehrstühlen und, so wörtlich, Architekten, Lehrern, Polizisten, Bürgermeistern, Ministern. Diese Ankündigung ist keine Randbemerkung, sondern die eigentliche Aussage des Beitrags: Es geht nicht um einen Wahlsieg, sondern um eine flächendeckende Durchdringung staatlicher und gesellschaftlicher Funktionen, die als Normalzustand etabliert werden soll, sobald die AfD – aktuell mit Blick auf Sachsen-Anhalt und Ulrich Siegmund – tatsächlich regiert. Anders als bei den meisten Sezession-Texten liegt hier kein Dementi vor, sondern eine Selbstbestätigung der Kaperungs- und Unterwanderungsstrategie, formuliert von der Person, die sie mitbetrieben hat.
Kommentare: Von 90 Kommentaren dockt nur ein Teil an der eigentlichen These an, viele drehen sich um eine Kontroverse mit der einzigen kritisch nachfragenden Kommentatorin "Karin Wendt", die unwidersprochen als "Linksextreme" beschimpft wird, weil sie Sorge vor dem AfD-Programm in Sachsen-Anhalt äußert. Bemerkenswert ist die Selbstverständlichkeit, mit der mehrere Vielschreiber ("Majestyk", "Laurenz") Menschen mit anderer politischer Position aus der "Volksgemeinschaft" ausschließen – wer für offene Migrationspolitik eintrete, gehöre "keinem Volk mehr an" und solle "in Anywhere" leben. Widerspruch dazu bleibt aus; nur der Nutzer "Le Chasseur" kritisiert an anderer Stelle explizit Kommentare, die die Rückführung auch Minderjähriger ins Meer forderten – ein seltener Fall von Widerspruch an der Sache, nicht nur am Ton. Nutzer "Boreas" bestätigt aus eigener Anschauung, dass frühe Antaios-Schulungen tatsächlich strategisch auf junge Kader zielten, was Kubitscheks Version zusätzlich stützt.