Die Live-Folge des Tech-Podcasts von der OMR 2026 in Hamburg beginnt mit einer lockeren, fast privaten Unterhaltung zwischen den beiden Gastgebern. Philipp Klöckners Keynote "Beyond the AI Hype" bilde den inhaltlichen Rahmen. Die Folge bewege sich zwischen fachlicher Analyse und humorvoller Selbstinszenierung, wobei die Grenzen zwischen Networking und ausgiebigem Mittagessen fließend seien. Als selbstverständliche Annahme präge besonders eine angebotsorientierte Technik-Sicht die Diskussion: Technologie schaffe automatisch Wohlstand, und das Hauptproblem sei deren richtige Vermarktung, nicht etwa die Art ihrer Nutzung. Die Rolle von Marketing wird dabei als zentraler Wertschöpfungsfaktor für die Zukunft dargestellt.
Zentrale Punkte
- KI-Nutzung weiterhin minimal Die große Mehrheit der Menschen habe KI noch nie genutzt, und selbst unter den Nutzer:innen griffen die meisten nur auf kostenlose Versionen zurück. Selbst regelmäßige Nutzung erfolge selten und oberflächlich, während komplexe Funktionen kaum jemand verwende. Dieses große Marktpotenzial sei positiv zu sehen.
- Aufmerksamkeit als neue Knappheit In den nächsten 18 Monaten werde jede:r qualitativ hochwertige Filme und Spiele mit KI erstellen können. Das führe zu einem massiven Überangebot an digitalen Inhalten, das auf eine begrenzte menschliche Aufmerksamkeit treffe. Differenzierung und Marketing würden daher immer wichtiger, während das Problem in Zukunft zu wenig Nachfrage, nicht zu wenig Angebot sein werde.
- Differenzierung durch menschliche Nähe Selbst in einer Welt mit unbegrenztem kostenlosen KI-Content werde es für authentische menschliche Verbindungen eine erhöhte Zahlungsbereitschaft geben, ähnlich wie bei OnlyFans. Das Bedürfnis nach Nähe bleibe bestehen, weswegen Marketing und Positionierung für Produkte entscheidender würden denn je.
Einordnung
Die Stärke der Episode liegt in ihrer unterhaltsamen und zugespitzten Verpackung komplexer Thesen. Klöckners zentraler Punkt, dass die Begrenzung digitaler Märkte nicht im Angebot, sondern in der menschlichen Aufmerksamkeit liege, wird anschaulich und nachvollziehbar entwickelt. Die Diskussion bleibt nahbar und wird durch die selbstironische Rahmung der eigenen OMR-Rituale aufgelockert.
Die Analyse bleibt jedoch innerhalb eines engen, vor allem auf Marketing und Produktdifferenzierung fixierten Rahmens. Die Grundannahme, dass Wirtschaftswachstum stark von fossiler Ressourcenförderung abhänge, wird als Fundament für eine KI-Skepsis genutzt, aber nicht daraufhin befragt, ob das gewünschte Wachstum nicht selbst Teil des Problems sein könnte. Strukturelle Faktoren wie Zugang zu Kapital oder die Machtverteilung auf Plattformen werden nicht vertieft. Die Kritik an der Aufmerksamkeitsökonomie mündet in den individuellen Rat, Social-Media-Apps zu löschen, anstatt die dahinterstehenden Geschäftsmodelle grundsätzlicher zu hinterfragen. Ironischerweise wird diese Plattformkritik auf der größten Marketing-Bühne und für einen Podcast geäußert, der selbst um Aufmerksamkeit konkurriert – ein Widerspruch, der unaufgelöst bleibt.
„Stell dir vor, euch wird jedes Jahr noch mal 20 % mehr Zeit geklaut. So, was was bleibt übrig? Genau, deswegen ist der Growth Hack der Online Marketing Rockstars 2026: […] Instagram löschen, YouTube löschen, LinkedIn löschen, alles löschen, was einfach nur auf Zeit optimiert." – Dieses Zitat zeigt, wie die strukturelle Kritik an der Aufmerksamkeitsökonomie in einen individualisierten Handlungsappell umschlägt.
Hörempfehlung: Für alle, die einen pointierten, unterhaltsamen Reality-Check zum KI-Hype suchen und sich für die Meta-Ebene der Marketingbranche begeistern können, ist diese Live-Folge ein kurzweiliger Gewinn.
Sprecher:innen
- Philipp Glöckler – Gastgeber, Unternehmer und ehemaliger Berater
- Philipp Klöckner – Investor, Advisor und Speaker mit Schwerpunkt KI und Marketing