Die Folge "Lachskrise in Norwegen" beleuchtet den dramatischen Rückgang der Wildlachse durch den Parasiten Lachslaus, der durch offene Fischfarmen massiv verbreitet wird. Antje Büll berichtet von Tauchgängen, bei denen statt erwarteter Hunderte nur 25 Lachse gezählt wurden. Die Lachslaus, ein zwei Zentimeter großer Krebs, vermehre sich explosionsartig in den Netzkäfigen und bedrohe nicht nur die Zuchtfische, sondern auch den Wildlachs. Die Industrie produziere 220 Millionen Lachse jährlich, verweigere aber Drehgenehmigungen und setze auf teure Chemikalien statt auf geschlossene Containern. Einzelne Pioniere wie Thomas Mierhold zeigen mit geschlossenen Systemen Alternativen auf, die ohne Lachslaus auskommen. Ohne politische Regulierung drohe dem Wildlachs das Aussterben.
Die Wildlachspopulation sinke dramatisch
Die Wasserbiolog:innen zählten in 200 Flüssen nur noch 25 statt früher Hunderte Wildlachse. "Das war eine der schlechtesten Jahre mit den wenigsten Fischen, die wir je hier gezählt haben", so Helge Skoglund. Die Bestände gingen kontinuierlich zurück.
Lachslaus als Massenproblem durch Zuchtfarmen
Die Lachslaus vermehre sich durch die Massentierhaltung in offenen Netzkäfigen. "Der Zuchtlachs trägt diesen Parasiten, da vermehrt sich dieser Parasit und befällt auch den Wildlachs", erklärt Büll. Die Tiere würden lebendig aufgefressen.
Industrie blockiert Transparenz und Reformen
Trotz monatelanger Absprachen verweigerten die Lachszüchter kurzfristig alle Drehgenehmigungen. Die Industrie bestehe auf 1000 bestehende Lizenzen und verlange neue für geschlossene Systeme, was die Regierung ablehne.
Geschlossene Systeme als funktionierende Alternative
Thomas Mierhold betreibe drei Farmen mit geschlossenen Containern ohne Lachslaus. Die Technik sei aufwendig: "Man muss Frischwasser zuführen, man muss den ganzen Schlamm absaugen", aber sie funktioniere.
Politische Regulierung als einziger Ausweg
"Es müssten neue Bestimmungen von der Regierung her, Auflagen für die Lachszucht", fordert Büll. Die Fischindustrie klage gegen Umweltauflagen und verhindere so ökologische Standards.
Einordnung
Diese 11KM-Folge zeigt investigative Recherche in Reinkultur: statt oberflächlicher Klischees wird die komplexe Verflechtung von Umweltzerstörung und Wirtschaftsinteressen akribisch entlarvt. Die Journalistin Antje Büll liefert keine einfachen Antworten, sondern beleuchtet systematisch, wie eine ganze Industrie ihre Verantwortung für das Aussterben einer Tierart verweigert. Besonders bemerkenswert ist die dokumentierte Absagekultur der Lachsindustrie - ein Muster, das aus anderen Branchen bekannt ist. Die Folge gelingt das Kunststück, ein globales Problem (Massentierhaltung) mit lokalem Schicksal (Wildlachs in Norwegen) zu verbinden, ohne dabei in Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Die Alternative existiert - sie ist nur teurer. Die Frage bleibt: Welchen Preit sind wir bereit zu zahlen, damit der Lachs nicht ausstirbt?