Das Gespräch zwischen Moderator Paul Elvers und Magdalena Mues, Geschäftsführerin der SEO- und GEO-Agentur Claneo, führt tief in die Funktionsweise und die Herausforderungen des jungen Marketingkanals Generative Engine Optimization (GEO) ein. Mues zeichnet das Bild eines hochgradig dynamischen und intransparenten Marktes, der durch die Einführung von KI-Zusammenfassungen in klassische Suchmaschinen erheblich an Relevanz gewonnen habe. Die Diskussion wird von einer grundlegenden Spannung getragen: Auf der einen Seite wird GEO als notwendige unternehmerische Anpassung an eine unvermeidliche technologische Entwicklung dargestellt – das Fernbleiben von diesem Kanal sei geschäftsschädigend. Auf der anderen Seite offenbart Mues anhand eigener Experimente die erschreckend leichte Manipulierbarkeit der KI-Antworten, in denen sich Autorität und Vertrauenswürdigkeit von Quellen nicht organisch aufbauen müssen, sondern durch massenhafte, aktuelle Erwähnungen simuliert werden können.

Obwohl die Komplexität und die mangelnde Transparenz des Kanals detailliert beschrieben werden, wird der grundsätzliche Nutzen von GEO für Unternehmen als gegeben angenommen. Kritischere Perspektiven, die einen möglichen Hype oder eine gesamtwirtschaftlich schädliche Nullsummenspiel-Dynamik in den Raum stellen könnten, werden nicht vertieft. Die Effizienz- und Sichtbarkeitslogik des digitalen Marketings bleibt so der unangefochtene Rahmen des Gesprächs.

Zentrale Punkte

  • Grundverschiedene Funktionsweise von Suchmaschinen und KI-Chatbots Während Suchmaschinen auf einen statischen Index zugreifen und Linklisten ausgeben, könnten KI-Chatbots entweder aus Trainingsdaten antworten oder aktuelle Websuchen anstoßen (Grounding). Dabei würden Texte in kleinste „Chunks" zerlegt und neu kombiniert, wobei oft unklar bleibe, welche Quellen tatsächlich zur Antwortgenerierung dienten.
  • Einfache Manipulation durch erfundene Autorität Es wird ein Experiment der Agentur Claneo beschrieben, bei dem für eine frei erfundene Matcha-Marke durch drei platzierte Listicles auf externen Plattformen innerhalb eines Tages KI-Empfehlungen als „Premium-Marke" generiert werden konnten. Aktualität funktioniere als starker, kurzfristiger Hebel, den KI-Systeme nur unzureichend auf Wahrheitsgehalt prüften.
  • Paradigmenwechsel im Content: vom Vertrauensaufbau zur Maschinenlogik Anders als bei SEO, wo Autorität langsam wachse, würden KI-Systeme neue, sehr präzise und in Datenblöcken strukturierte Inhalte bevorzugen. Dies führe zu Zielkonflikten mit traditionellem SEO-Content und lege eine Trennung von menschenlesbaren Texten und maschinenoptimierten Grounding Pages nahe, die nur noch Stichpunkte umfassten.
  • Düstere Aussichten für Publisher ohne neue Geschäftsmodelle Verlagen drohe ein doppelter Verlust: Sie verlören messbar Traffic aus der klassischen Suche, während KI-Systeme ihre teuer produzierten Inhalte unentgeltlich nutzten und sie oft nicht einmal als Quelle angäben. Ein möglicher Ausweg wird in der Konzeption neuer, verkaufsfähiger Attributionsmodelle gesehen, zum Beispiel in Form von bezahlten Marken-Erwähnungen.

Einordnung

Das Gespräch lebt von der großen Offenheit der Expertin, die nicht nur theoretisches Wissen vermittelt, sondern anhand des radikalen Selbsttests mit der fiktiven Marke die Konsequenzen der Technologie für die Informationsqualität greifbar macht. Diese experimentelle Ehrlichkeit verleiht der Episode eine hohe Glaubwürdigkeit und macht sie zu einer wertvollen Quelle für alle, die verstehen wollen, wie die Suchergebnisse von morgen zustande kommen könnten.

Die Perspektive bleibt jedoch eng an den Interessen des Marketings gekoppelt. Unhinterfragt wird vorausgesetzt, dass das Ziel von Unternehmen, in KI-Antworten präsent zu sein, ein erstrebenswertes Gut ist. Die Gefahr, dass der Kanal von Anfang an zum Wettrennen um manipulative Aufmerksamkeit verkommt und das Vertrauen der Nutzer:innen in diese Systeme langfristig beschädigt, wird zwar von Mues selbst angedeutet, aber nicht zum Anlass einer grundsätzlichen Kritik genommen. Stattdessen wird auf ein künftiges „Regelwerk" der KI-Anbieter vertraut. Wie Mues zu diesem Wettlauf der Manipulation selbst sagt: „weil sie machen ja keine Bewertung dahinter. Die prüfen nicht, stimmt das wirklich? Und das ist das, was ja aktuell auch noch ein bisschen gefährlich sein kann an den Ergebnissen."

Hörempfehlung: Unverzichtbare Folge für Marketing-Verantwortliche und SEOs, die den Sprung zu GEO nicht nur verstehen, sondern auch die aktuellen Schwachstellen und Grauzonen des Kanals realistisch einschätzen wollen.

Sprecher:innen

  • Dr. Paul Elvers – Host von KI Köpfe, Chief AI Officer der FUNKE Mediengruppe
  • Magdalena Mues – Geschäftsführerin der SEO- und GEO-Agentur Claneo und Buchautorin