Andreas Dorfmann moderiert das politische Format „NIUS Live am Abend“ gemeinsam mit dem Historiker und Autor Klaus-Rüdiger Mai sowie dem NIUS-Kommentator Alexander Kissler. Im Zentrum der Sendung stehen die Kritik an der thüringischen BSW-Führung wegen der Tolerierung von CDU-Ministerpräsident Mario Voigt nach dem Entzug von dessen Doktortitel, die geplante Ausweitung der Geheimdienstbefugnisse durch die Bundesregierung, die Kontroverse um einen Polizeigewerkschafts-Vize mit DDR-Vergangenheit sowie eine neue EU-Verordnung für Versandverpackungen.
1. Das BSW als Zerreißprobe zwischen Regierungsverantwortung und fundamentaler Opposition
Es gäbe im Bündnis Sahra Wagenknecht erhebliche interne Konflikte bezüglich der Regierungsbeteiligung in Thüringen, wobei Teile der Partei den Verbleib in der Koalition trotz des Doktortitelentzugs von Mario Voigt als Verrat an den eigenen Prinzipien bewerteten. Alexander Kissler betonte, dass das BSW eine „Wundertüte“ sei, in der radikale Fundamentalopposition und realpolitische Anpassung aufeinanderprallten. Klaus-Rüdiger Mai ergänzte, die Partei müsse bei den kommenden Landtagswahlen ihren Kern beweisen, da die Regierungsbeteiligung in Thüringen ihre Glaubwürdigkeit massiv angekratzt habe. Alexander Kissler führte dazu aus: „Deswegen muss ich eigentlich nach meinem Dafürhalten sagen, Mario Voigt, du hast schon lange keine Mehrheit mehr, die Umfragen gehen nach unten, du hast dich gewissermaßen an die Macht getrickst, du bist jetzt überführt als Plagiator nicht mehr mit uns.“
2. Geheimdienstreform als angeblicher Einstieg in eine „Geheimpolizei“
Die von Innenminister Alexander Dobrindt vorgestellte Reform zur Erweiteurng der Befugnisse von Verfassungsschutz und BND stieß im Studio auf scharfe Ablehnung und Vergleiche mit totalitären Systemen. Alexander Kissler bezeichnete die Maßnahmen als „Einstieg in eine Geheimpolizei“, da polizeiliche Hoheitsaufgaben und geheimdienstliche Arbeit vermischt würden und Kontrollinstanzen wegfielen. Klaus-Rüdiger Mai zog Parallelen zur Gründung des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit im Jahr 1950 und kritisierte, die Befugnisse richteten sich gegen unliebsame Meinungen. Alexander Kissler formulierte dazu: „Die Kompetenzen werden gebündelt, es gibt ein neues gemeinsames Kontrollgremium, das aber im Geheimen tagt, es wird keine Rechenschaftspflichten mehr geben gegenüber der Datenschutzbeauftragten…“
3. Scharfe Kritik an Polizeigewerkschafts-Vize wegen DDR-Vergangenheit
Die Vergangenheit eines stellvertretenden Vorsitzenden einer Polizeigewerkschaft als ehemaliger Politoffizier der DDR-Grenztruppen wurde im Studio als skandalös und untragbar bewertet. Klaus-Rüdiger Mai und Alexander Kissler kritisierten, dass ein solcher „Scharfmacher“ und Kaderkommunist niemals in eine Spitzenposition der Bundespolizei hätte gelangen dürfen. Klaus-Rüdiger Mai erklärte dazu: „Politoffizier und stellvertretender Kompaniechef bei den DDR Grenztruppen. Anschließend war er Jugendinstruktor für politische und ideologische Arbeit mit jungen Grenzsoldaten der DDR. Warum hat man diesen Herrn Hüber nicht schlicht aussortiert?“
4. Grundsätzliche Infragestellung staatlicher Motive und „Brandmauern“
Die Diskussionen im Studio mündeten wiederholt in fundamentale Angriffe auf das politische System der Bundesrepublik, das von den Beteiligten als regimetreuhörig oder kontrollsüchtig dargestellt wurde. Klaus-Rüdiger Mai verurteilte die Zusammenarbeit zwischen CDU und Linkspartei als „ein einziges Brandmauerkombinat“, während Alexander Kissler dem Staat vorwarf, mithilfe neuer Gesetze die Bürger „betreuen“ und überwachen zu wollen. Die Gesprächspartner äußerten die Sorge, dass staatliche Institutionen primär zur Bekämpfung politischer Gegner statt gegen echten Terrorismus eingesetzt würden.
5. Scharfe Verurteilung von Abtreibungen als „legaler Kindermord“
Gegen Ende der Sendung wurde das Thema Abtreibung in drastischer und moralisch aufgeladener Sprache als Tötung ungeborenen Lebens eingeordnet. Die Kommentatoren kritisierten liberale Gesetzesinitiativen und warfen Politikern vor, sich über das Lebensrecht zu stellen. Ein eingeblendetes Zitat des Gastes Ben Brechtken untermauerte diese Haltung, indem es den Schutz von Fötusrechten zum absoluten moralischen Maßstab erhob.