Seit über 30 Jahren ist die DIDF, die Föderation demokratischer Arbeitervereine, in Mannheim aktiv – und fast ebenso lange beim multikulturellen Max-Josef-Straßenfest dabei. Im Interview mit dem Bermudafunk spricht Nalan Erol über die Arbeit des Vereins, der sich im Selbstverständnis der Sprecherin als kulturell und politisch versteht. Der Blick auf den Kampf gegen Rassismus und für Gleichberechtigung wird hier eng mit persönlichen Erlebnissen und dem Begriff des Zusammenhalts verknüpft. Dass alle Menschen unabhängig von Herkunft dieselben Rechte haben sollten, wird zur unhinterfragten und zentralen Prämisse des Gesprächs.
Zentrale Punkte
- Migrantische Selbstorganisation mit Frauenpower Die DIDF sei ein kurdisch-türkisch geprägter Verein, dem aber auch viele deutsche Mitglieder angehörten. Über 60 Prozent der etwa 70 Mitglieder seien Frauen, was die Moderatorin als bemerkenswert hervorhebt. Der Verein kooperiere eng mit der reinen Frauengruppe "bunte Migrantinnen", die sich etwa gegen Gewalt an Frauen engagiere.
- Alltagsrassismus von der Bahn bis zur Kita Erol berichtet von persönlichen Anfeindungen, etwa wenn sie im Bus auf Türkisch telefoniere und von älteren Fahrgästen aufgefordert werde, Deutsch zu sprechen. Bei Kindern sei Rassismus noch verletzender, oft in Form von Mobbing in der Schule oder sogar schon in der Kita. Sie fordere, das Thema bereits in der Kita pädagogisch zu verankern.
Einordnung
Das Gespräch bietet einen ungefilterten Einblick in die Basisarbeit einer migrantischen Selbstorganisation und gibt persönlichen Diskriminierungserfahrungen Raum, die sonst oft ungehört bleiben. Die Stärke der Episode liegt darin, dass sie einer Aktivistin das Mikrofon reicht und deren Perspektive auf Alltagsrassismus unkommentiert in den Vordergrund stellt. Die Moderation ist dabei unterstützend und wohlwollend, schafft aber keine kritische Distanz, sondern begleitet die Aussagen bestätigend.
Die Sendung bleibt auf der Ebene persönlicher Erzählungen und politischer Appelle. Strukturelle Bedingungen von Rassismus oder konkrete politische Forderungen über die pädagogische Arbeit hinaus werden nicht thematisiert. Zudem wird die Überparteilichkeit des Begriffs „Zusammenhalt" als universelles Heilmittel gesetzt, ohne zu hinterfragen, gegen welche konkreten Machtverhältnisse oder politischen Entscheidungen sich dieses Zusammenstehen richten muss. Der Verweis auf die Stärke der AfD in Mannheim-Sandhofen mündet in einen allgemeinen Aufruf zu mehr Zivilcourage, ohne die Ursachen des Zuspruchs näher zu analysieren.