In dieser Ausgabe des Nebelspalter-Podcasts diskutieren Markus Somm und Dominik Feusi mehrere aktuelle Schweizer Themen: die Ablehnung der Kompass-Initiative durch den Bundesrat, die Überforderung des Bundesamts für Gesundheit bei Medikamentenrabatten, die Rekordzahl an Firmeninsolvenzen sowie eine Studie, nach der der Klimawandel die Lebenserwartung erhöhe. Außerdem würdigen sie den zurücktretenden NZZ-Chefredakteur Eric Gujer. Die beiden setzen dabei eine wirtschaftsliberale Sicht als selbstverständlich voraus: Staatliche Regulierung erscheine grundsätzlich schädlich, private Lösungen seien überlegen.

Zentrale Punkte

  • Bundesrat lehnt Kompass-Initiative taktisch ab
    Der Bundesrat lehne die Kompass-Initiative aus taktischen Gründen ab, nicht wegen inhaltlicher Bedenken. Er habe die Frist fast ausgereizt und argumentiere mit angeblicher Unklarheit, was die Moderatoren als fadenscheinig bezeichneten. Sie sähen darin einen Missbrauch der Exekutive.
  • BAG versagt bei Rabattkontrollen
    Die Finanzkontrolle habe festgestellt, dass das Bundesamt für Gesundheit sechs Jahre lang die Kontrolle von Medikamentenrabatten vernachlässigt habe. Der Schaden für Prämienzahler:innen betrage über zwei Milliarden Franken. Die Moderatoren deuteten dies als Staatsversagen und forderten, die Kontrolle privaten Versicherern zu überlassen.
  • Gesetz treibt Firmen in den Konkurs
    Eine Gesetzesänderung verpflichte öffentliche Gläubiger, konsequent zu betreiben, was zu Rekordinsolvenzen geführt habe: 7.496 Unternehmen im ersten Halbjahr 2026. Der Staat zerstöre damit Existenzen. Die Moderatoren appellierten an bürgerliche Parlamentarier, die Regelung rückgängig zu machen.

Einordnung

Die Episode greift aktuelle politische Vorgänge auf und liefert konkrete Zahlen, etwa zu Insolvenzen und zum Schaden durch versäumte Rabattkontrollen. Für Hörer:innen, die eine marktwirtschaftliche Position teilen, bietet sie eine klare und meinungsstarke Einordnung.

Allerdings setzt die Diskussion eine wirtschaftsliberale Sicht als selbstverständlich voraus: Der Staat erscheint per se als ineffizient, Regulierung als schädlich, private Lösungen als überlegen – ohne dass diese Prämissen hinterfragt würden. Die Klimawandel-Berichterstattung ist selektiv: Sie betont die geringere Zahl an Kältetoten, blendet aber Risiken und wissenschaftliche Differenzierungen aus. Die Würdigung von Eric Gujer fällt stark parteiisch aus und vernachlässigt kritische Perspektiven auf dessen Amtsführung.

Sprecher:innen

  • Markus Somm – Journalist und Publizist, Mitgründer des Nebelspalters
  • Dominik Feusi – Journalist, Redakteur beim Nebelspalter