In dieser Folge des OMR Podcasts spricht Philipp Westermeyer mit Marc Fielmann, der 2019 die Führung des Brillenkonzerns Fielmann von seinem Vater übernahm. Der Gründer-Nachfahre berichtet von seiner Übernahme des MDax-Unternehmens und dem Wandel, den er seitdem vorantreibt. Das Gespräch dreht sich zentral um die Frage, wie man einen milliardenschweren Traditionskonzern ins digitale Zeitalter führt, ohne dessen stationäre Basis zu gefährden. Dabei wird die Erzählung von der Prämisse getragen, dass die Digitalisierung des Handels ein unausweichlicher und rein positiv zu bewertender Schritt sei. Ebenso selbstverständlich wird die familiengeführte Kapitalgesellschaft als ideale und harmonische Organisationsform dargestellt.

Zentrale Punkte

  • Fehler als unternehmerische Pflichtübung Marc Fielmann beschreibe den Druck der Nachfolge als „massiv". Entscheidend für den Umgang damit sei gewesen, Fehler nicht zu vermeiden, sondern sie bewusst im kleinen Rahmen zu machen, um für die Konzernebene zu lernen und eine Art unternehmerische Resilienz aufzubauen.
  • Digitaler Wandel ohne Kanal-Konflikt Als seinen großen Meilenstein schildere er die Neuerfindung des Kontaktlinsengeschäfts. Der Schlüssel zum Erfolg sei ein Provisionsmodell gewesen, bei dem auch online getätigte Umsätze immer einer stationären Filiale zugerechnet würden, wodurch der klassische Konflikt zwischen Filial- und Onlinehandel von vornherein ausgehebelt worden sei.

Einordnung

Das Interview zeigt anschaulich, wie ein großer Familienkonzern die Digitalisierung strategisch angeht, um Marktanteile zu sichern. Es liefert ein konkretes, operatives Beispiel für einen intelligenten Omni-Channel-Ansatz, bei dem die sonst so typischen Reibungsverluste zwischen neuen und alten Vertriebswegen aktiv vermieden werden. Für Hörer:innen, die sich für Unternehmensführung und digitale Transformation im Handel interessieren, bietet die Episode daher handfeste Einblicke.

Die Perspektive bleibt dabei jedoch konsequent die einer unternehmerischen Erfolgsgeschichte. Die Logik des Gesprächs setzt voraus, dass profitables Wachstum und Internationalisierung die natürlichen und alternativlosen Ziele eines solchen Konzerns sind. Die 22.000 Mitarbeiter:innen kommen fast ausschließlich als harmonisches „Team“ vor, dessen Vertrauen man gewinnen müsse. Andere Perspektiven – etwa von Betriebsräten oder tariflich Beschäftigten – werden nicht eingeholt, was angesichts des diskutierten Umbaus von Vergütungsmodellen eine Leerstelle bleibt. Kritisch auffällig ist zudem die Idealisierung der Familien-Nachfolge als reibungslose „Bilderbuch“-Übergabe, ohne dass strukturelle Macht- oder Abhängigkeitsverhältnisse thematisiert würden. Die hohe persönliche Belastung wird zwar benannt, aber als individuelle Bewährungsprobe eingeordnet, nicht etwa als Symptom eines potenziell toxischen Leistungsdrucks. Ein Satz wie „Der Druck war massiv“ illustriert diese Verkürzung.

Hörempfehlung: Für alle, die verstehen wollen, wie man Widerstände gegen E-Commerce im stationären Handel austrickst, und die eine klare Unternehmer-Story suchen.

Sprecher:innen

  • Marc Fielmann – Vorstandsvorsitzender der Fielmann Group AG, Nachfolger des Gründers
  • Philipp Westermeyer – Gründer und Moderator des OMR Podcasts, Digitalunternehmer