Einleitung
Angesichts eines unberechenbaren US-Präsidenten und eines eskalierenden Iran-Kriegs kreist die Sendung um die Frage, wie Europa zwischen diesen Polen seinen Platz findet. Zunächst beansprucht eine Kabinettsumbildung in Berlin breiten Raum – Personalwechsel werden als schlüssige Kompetenzzuweisungen besprochen, ohne dass die politischen Richtungsentscheidungen dahinter vertieft werden. International steht das Bild einer „instinktgetriebenen“ US-Politik im Raum, während Europa als strategisch unvorbereitet erscheint. Durchgängig wird Außenpolitik vor allem als Kostenfaktor oder Sicherheitsrisiko verhandelt; der Standpunkt wird gesetzt, dass die Bürger:innen die Zeche zahlen, aber kaum gefragt, für wen eigentlich Krieg geführt wird.

Zentrale Punkte

  • Trump als „Instinktpolitiker“ ohne Strategie Liana Fix zeichne ein Bild Trumps als gefangen zwischen innenpolitischer Basis und Streben nach Größe; seiner Regierung fehle es an Mechanismen, Instinkte in Politik zu übersetzen. Die einzige vorhandene Strategie sei die militärische – eine politische sei nicht zu erkennen.
  • Europa fehlt die gemeinsame Stimme Armin Laschet sehe die E3-Gruppe (Deutschland, Frankreich, Großbritannien) als unzureichend an und fordere eine Diplomatie, die auch Polen, das Baltikum und kleine Mitgliedstaaten einschließe. Sergey Lagodinsky dringe darauf, den europäischen diplomatischen Dienst zu stärken, statt ihn infrage zu stellen.

Einordnung

Die Stärke liegt in der direkten Benennung konkreter Leerstellen: Europas diplomatische Zersplitterung wird nicht beschönigt, und Liana Fix seziert schlüssig das strukturelle Fehlen einer politischen Strategie in Trumps Regierung. Das wirft ein kritisches Licht auf den oft ausgeblendeten Zusammenhang zwischen innenpolitischen Kalkülen und militärischer Eskalation.

Kritisch zu sehen ist, dass die globale Dimension des Krieges und die Interessen der betroffenen Bevölkerungen im Iran oder Jemen unerwähnt bleiben. Energiepreise werden ausschließlich als Belastung für europäische Konsument:innen thematisiert – eine Verengung, die wirtschaftliche Abhängigkeiten als reines Kostenproblem fasst und geopolitische Verantwortung ausblendet. Wenn Rüdiger Lucassen von der AfD eine „Europa, nicht EU“-Rhetorik einbringt und europäische Souveränität gegen NATO-Bündnistreue stellt, fehlt eine Einordnung dieser Verschiebung. Der Sendung gelingt es dadurch nicht, die öffentliche Debatte über das hinauszuführen, was als „alternativlos“ präsentiert wird – etwa die selbstverständliche Prämisse, dass mehr Gemeinsamkeit automatisch zu besseren Ergebnissen führe.

Sprecher:innen

  • Armin Laschet – CDU, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses
  • Gregor Gysi – Linke (im Transkript ohne Wortbeitrag)
  • Sergey Lagodinsky – Grüner Europapolitiker, Auswärtiger Ausschuss
  • Rüdiger Lucassen – AfD, Oberst a.D., ehem. verteidigungspolitischer Sprecher
  • Liana Fix – Politikwissenschaftlerin, Historikerin (Washingtoner Think Tank)
  • Annette Meisz – Handelsblatt (im Transkript ohne Wortbeitrag)