Der renommierte Ökonom Paul Krugman beleuchtet in seinem Newsletter ein scheinbares Wirtschaftsparadox der Trump-Ära: Das US-Jobwachstum ist nahezu zum Erliegen gekommen, doch die Arbeitslosenquote bleibt stabil. Die Auflösung dieses Rätsels liegt in der drastischen Reduktion der Nettoeinwanderung. Wie Krugman ausführt, sei der "Breakeven"-Wert – die Zahl neuer Jobs, die nötig ist, um mit dem Arbeitskräftewachstum Schritt zu halten – plötzlich auf null gefallen. Die "ICE age", wie er die aktuelle Ära nennt, habe sowohl legale als auch illegale Zuwanderung praktisch zum Trocknen gebracht, da selbst legale Immigrant:innen mit "falscher Hautfarbe" gefährdet seien.

Dies würde die zentrale Behauptung der Einwanderungsgegner:innen widerlegen, dass weniger Zuwanderung automatisch mehr Jobs für einheimische Arbeiter:innen bedeute. Tatsächlich sei die Arbeitslosigkeit unter native-born Amerikaner:innen unter Trump leicht gestiegen. Besonders brisant sind die fiskalischen Implikationen: Die Trump-Administration rechnet mit einem Wirtschaftswachstum von drei Prozent, doch ohne Arbeitskräftezuwachs müsste allein steigende Produktivität dieses Ziel erreichen – ein historisch beispielloses Wachstum, das selbst während des Internet-Booms nicht erreicht wurde. Krugman fragt zudem, wie Amerika seine militärische Dominanz aufrechterhalten könne, wenn die Erwerbsbevölkerung stagniere. Sein abschließendes Zitat – "Are we great again yet?" – unterstreicht die Ironie zwischen politischer Selbstinszenierung und ökonomischer Realität.

Einordnung

Krugman positioniert sich hier als nüchterner Dateninterpret gegenüber politischer Ideologie. Die Perspektive ist eindeutig zentristisch-progressiv: Er decodiert die wirtschaftlichen Folgen autoritärer Migrationspolitik und entlarvt das Wachstumsversprechen der Regierung als ökonomisch unhaltbar. Dabei bedient er sich eines klassischen ökonomischen Framings, das langfristige demografische Trends gegen kurzfristige politische Populismen setzt.

Die unterschwellige Annahme ist, dass ökonomische Rationalität letztlich politischen Dogmen überlegen sein müsse – eine Hoffnung, die angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen fragwürdig erscheinen könnte. Für Leser:innen, die eine faktenbasierte Gegenstimme zur aktuellen US-Wirtschaftspolitik suchen, ist dieser Newsletter unbedingt lesenswert; wer jedoch nach optimistischen Pro-Trump-Narrativen sucht, wird hier enttäuscht.