Roger Köppel meldet sich aus New York, wo er das Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 verfolgt hat. In seinem Monolog springt er zwischen drei Themen hin und her: der Stimmung in der Stadt, der geopolitischen Bedeutung des Weltfußballverbands FIFA und einem historischen Werk über Russland. Die ganze Episode ist getragen von der Grundannahme, dass die Schweiz und ihre Institutionen im Ausland systematisch unterschätzt und mit „Undankbarkeit" behandelt würden. Statt einer Diskussion entfaltet sich eine persönliche Betrachtung, in der die Welt aus der Perspektive eines Schweizer Patrioten und selbsternannten „Pflichtverteidigers" Russlands gedeutet wird.

Zentrale Punkte

  • FIFA als diplomatischer Trumpf für die Schweiz Köppel beschreibe die WM als großartiges Turnier und die FIFA unter Gianni Infantino als „gewaltigen Trumpf" für die Schweiz. Der Verband fungiere als globaler Brückenbauer und verbindendes Element in einer konfliktreichen, „verwilderten" Zeit. Die Kritik in den Schweizer Medien an der FIFA und an Infantino sei von Neid und Missgunst getrieben und verkenne den diplomatischen Nutzen für das Land.
  • Russlands Wiege in der heutigen Ukraine Anhand des Buches von Valentin Gittermann stelle Köppel dar, dass die frühe russische Zivilisation im Flussgebiet des Dnjepr auf dem Gebiet der heutigen Ukraine entstanden sei. Diese „Kiewer Rus" sei ein kulturell und wirtschaftlich mit Europa verbundenes Reich gewesen. Die Darstellung betone, dass sich sowohl Ukrainer:innen als auch Russ:innen auf dieses gemeinsame historische Erbe beriefen.

Einordnung

Die Episode ist ein klassisches Beispiel für Köppels Argumentationsstil, der persönliche Anekdote, politischen Kommentar und historische Exkursion zu einer subjektiven Welterklärung vermischt. Die Stärke liegt in der Fähigkeit, entlegene historische Werke wie das von Valentin Gittermann aufzugreifen und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Das lebendige Erzählen weckt Interesse an Geschichte und regt dazu an, festgefahrene Perspektiven zu hinterfragen.

Allerdings bleiben zentrale Annahmen unhinterfragt. Die FIFA wird ausschließlich als positive, verbindende Kraft dargestellt, während Kritik an ihr als bloße Missgunst abgetan wird – politische oder menschenrechtliche Kontroversen um die Organisation oder die WM-Vergabe kommen nicht vor. Die historische Herleitung Russlands aus der Kiewer Rus dient erkennbar dazu, eine territoriale und kulturelle Verbindung zur Ukraine als naturgegeben erscheinen zu lassen. Andere Lesarten dieser gemeinsamen Geschichte, insbesondere die ukrainische Perspektive auf eine eigenständige nationale Entwicklung, bleiben vollständig ausgeblendet. Ein Zitat bringt Köppels Methode auf den Punkt – er schaffe Wissen nicht durch Analyse, sondern indem er es gegen einen vermeintlichen Mainstream stellt: „Das ist die Wiege Russlands und entsprechend beruft sich auch alle Völker Russlands heute auf dieses Gebiet, sowohl die Ukrainer wie auch die Weißrussen, wie auch die sogenannten Großrussen".

Sprecher:innen

  • Roger Köppel – Verleger und Journalist, ehemaliger Chefredaktor der Weltwoche