Im Falter Radio spricht Wifo-Chef Gabriel Felbermayr mit Eva Konzett über die wirtschaftliche Lage Österreichs angesichts des Iran-Krieges und steigender Energiepreise. Die Diskussion kreist um die Frage, wie gut das Land auf externe Schocks vorbereitet sei. Dabei werde durchgehend eine ökonomische Rationalität als Maßstab gesetzt: Staatliches Handeln werde an seiner Finanzierbarkeit gemessen. Die Metapher des übergewichtigen Patienten für den Staat suggeriere, dass budgetäre Spielräume durch frühere Ausgaben eingeschränkt seien – eine Deutung, die soziale Ausgaben als Belastung rahme, ohne Verteilungsfragen zu stellen.

Zentrale Punkte

  • Szenarien statt Prognosen Felbermayr erkläre, dass das Wifo aufgrund der Unwägbarkeiten des Iran-Krieges auf Szenarien setze. Im Hauptszenario bleibe die Inflation hoch, das Wachstum gering und die Kaufkraft stagniere, da importierte Preisschocks nicht ins Inlands-BIP einflössen.

  • Mangelnde Krisenvorsorge Österreich und Europa seien auf Energiepreisschocks schlecht vorbereitet. Felbermayr führe dies auf fehlende budgetäre Spielräume und eine rückläufige Dekarbonisierung zurück; die Zeit seit der letzten Krise sei für falsche Schlüsse genutzt worden.

  • Indexierung und Pensionsreform Die Bindung von Löhnen an die Konsumentenpreisinflation werde als Problem dargestellt. Felbermayr schlage den BIP-Deflator als Alternative vor. Zudem fordere er eine Debatte über das Pensionsantrittsalter, flankiert von Gesundheitsprävention.

Einordnung

"Österreich ist wie ein übergewichtiger Patient" – diese Metapher zieht sich als Prämisse durch das Gespräch. Es überzeugt durch präzise Einordnungen zu Inflationsmechanismen und die schonungslose Kritik an politischer Trägheit, etwa bei der Dekarbonisierung. Problematisch bleibe, dass Verteilungskonflikte als technische Haushaltsprobleme gerahmt werden: Der Vorschlag, Löhne an die Inlandsproduktion zu koppeln, bedeute bei importierter Inflation faktisch Kaufkraftverluste für Beschäftigte, was hier jedoch als wirtschaftliche Vernunft präsentiert werde. Auch beim geforderten höheren Pensionsantrittsalter fehle gänzlich die Perspektive derer, die körperlich schwer arbeiten und ein längeres Arbeiten kaum leisten können.

Hörempfehlung: Für Hörer:innen, die verstehen wollen, wie ökonomische Experten politische Handlungsspielräume definieren und welche Reformen als alternativlos dargestellt werden.

Sprecher:innen

  • Eva Konzett – Leiterin Politikressort, Falter
  • Gabriel Felbermayr – Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo)