In dieser Episode der mehrsprachigen Redaktion von Radio Blau unterhalten sich Simar Ali und Khattab Al-Shihawi auf Arabisch über ihre Arbeit beim Freien Radio. Sie sprechen nicht abstrakt über das Konzept, sondern teilen sehr persönliche Erfahrungen: Wie sie zum Radio kamen, vor welchen technischen und sprachlichen Hürden sie standen und was sie antreibt, weiterzumachen. Das Gespräch wird dabei von einer zentralen Annahme getragen: Dass Zugang zu Medien ein Grundrecht ist, das nicht an Sprachkenntnisse, Herkunft oder Aufenthaltsstatus gebunden sein sollte – und dass ein nicht-kommerzielles Radio diesen Raum tatsächlich öffnen könne.
Zentrale Punkte
- Erste Hürden: Technik und Mikrofonangst Beide beschreiben detailliert ihre anfänglichen Schwierigkeiten. Während Al-Shihawi als ehemaliger TV-Regisseur nie selbst am Mikrofon saß und den Schnitt neu lernen musste, sei Ali völlig ohne Medienerfahrung gewesen. Sie sei mit ihrer ersten, einstündigen Wirtschaftssendung so unzufrieden gewesen, dass sie diese komplett neu aufgenommen habe, ein zweites Mal.
- Radio als Zufluchtsort und Leidenschaft Al-Shihawi betone, im Studio von der Außenwelt „abzuschalten" und in eine eigene Welt einzutauchen. Für Ali sei die anfängliche Überforderung schnell in Faszination und ein starkes Verantwortungsgefühl umgeschlagen. Die Leidenschaft („shaghaf") sei ihr Antrieb, anspruchsvolle Wirtschaftsthemen speziell für arabischsprachige Migrant:innen verständlich aufzubereiten.
- Der praktische Wert von Teamarbeit und Diversität Die Redaktion lebe von kollektiver Arbeit und gegenseitiger Hilfe, etwa beim Übersetzen von Nachrichten oder bei technischen Fragen. Ein erstes Projekt, ein mehrsprachiges Kulturmagazin mit Menschen aus Myanmar, Syrien und der Ukraine, wird als Erfolgsbeispiel genannt. Diese Diversität mache die Arbeit fachlich und menschlich bereichernd.
Einordnung
Die Stärke dieser Episode liegt in ihrer Authentizität. Es geht nicht um theoretische Medienpolitik, sondern um konkrete, ermutigende Einblicke in die Praxis. Die Erzählungen von Mikrofonangst und technischem Scheitern vermitteln Zugänglichkeit und bauen Berührungsängste ab. Zudem gibt das Gespräch einen seltenen Einblick in das arabischsprachige mediale Schaffen innerhalb der deutschen Radiolandschaft.
Kritisch bleibt anzumerken, dass die Perspektive fast uneingeschränkt positiv und werbend ist. Das Freie Radio erscheint als idealer Ort, strukturelle Probleme oder politische Spannungen innerhalb solcher Projekte werden ausgeblendet. Die prekäre Finanzierung nicht-kommerzieller Sender wird von Ali kurz gestreift, aber nicht vertieft – der Wunsch nach professioneller Video-Ausstattung bleibe vermutlich eine Utopie. Das Publikum könne so den Eindruck gewinnen, Hürden seien stets nur individuell zu überwinden. Dennoch überzeugt die Diskussion durch ihre ehrliche Selbstreflexion, etwa wenn Ali ihren Perfektionismus thematisiert, der sie ihre erste Sendung verwerfen ließ.
Hörempfehlung: Für alle Newcomer:innen in der Freien Radio-Szene, die vor dem ersten Schritt zurückschrecken, aber auch für Medieninteressierte, die verstehen wollen, wie mehrsprachige Radioprojekte abseits des Mainstreams ticken.
Sprecher:innen
- Simar Ali – Moderatorin und Wirtschaftsredakteurin bei Radio Blau, ursprünglich aus Syrien
- Khattab Al-Shihawi – Moderator und Redakteur mit TV-Hintergrund in Syrien, tätig bei Radio Blau