Eva Völpel und Sabine Nuss diskutieren in der zweiten Folge ihrer Doppelfolge des Podcasts "Armutszeugnis" den Zusammenhang zwischen sozialökonomischen Krisen und dem Erstarken der Rechten. Sie stellen fest, dass rechte Ideologien nicht erst durch neoliberale Politik entstanden seien, sondern bereits seit Jahrzehnten in den Köpfen der Menschen verankert seien. Als zentrale Quelle dient ihnen der Soziologe Wilhelm Heitmeyer, der mit dem Konzept der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit zeigt, dass rechtsextreme Einstellungen kein Randphänomen seien, sondern aus der Mitte der Gesellschaft stammten. Die Sprecherinnen analysieren, wie Menschen durch soziale Desintegration, Statusverlust und Anerkennungsverletzungen auf autoritäre und rechte Ideologien ansprächen. Dabei betonen sie, dass rechte Parteien nicht das Gegenteil der bürgerlichen Mitte seien, sondern bereits vorhandene Denkmuster nur radikalisieren – etwa in der Bewertung von Menschen nach ihrer ökonomischen Nützlichkeit oder im Nationalismus. Die Diskussion zeigt, dass rechte Krisenverarbeitungsstrategien in einer kapitalistischen Gesellschaft besonders attraktiv seien, weil sie vermeintlich Stabilität durch feste Zugehörigkeiten wie Nation oder Familie bieten. Die Folge endet mit dem Appell, dass eine linke Gegenbewegung sich stärker auf Solidarität und Internationalismus fokussieren solle, statt auf nationale Standortpolitik zu setzen.