Neun Jahre nach seinem letzten Besuch reist Donald Trump erneut nach Peking. Im Gepäck: ein Handelskrieg, der einmal fast den Welthandel lahmgelegt habe, ein Krieg im Iran, der Chinas Ölversorgung bedrohe, und die Frage, wie viel Unterstützung die USA Taiwan künftig noch gewähren. Gastgeber Kevin Hurton spricht mit der in Taipeh ansässigen Journalistin Erin Hale darüber, was beide Seiten von diesem Gipfel erwarten – und was sie tatsächlich erreichen könnten.

Die Unterhaltung bewegt sich im Rahmen einer geopolitischen Rivalitätserzählung: Zwei Supermächte ringen um Einfluss, und Trump begegne Xi Jinping aus einer Position der Schwäche. Die Episode konzentriert sich stark auf wirtschaftliche Verflechtungen und sicherheitspolitische Manöver, während Fragen nach globaler Gerechtigkeit oder den Interessen kleinerer Staaten ausgeblendet bleiben.

Zentrale Punkte

  • Handelskrieg als Dauerzustand Trump wolle den im Oktober vereinbarten einjährigen Waffenstillstand im Zollkonflikt verlängern, um im Wahlkampf Erfolge vorzuweisen. China wiederum brauche für seine Wirtschaftsplanung stabile Zollsätze bis zum Ende von Trumps Amtszeit, müsse aber weiter mit sektorspezifischen Abgaben und Exportkontrollen für Seltene Erden umgehen.
  • Vermittlerrolle mit Vorbehalten Die USA wünschten sich Chinas Hilfe, um Iran zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus zu bewegen. China sei dazu durch seine Ölabhängigkeit und gute Beziehungen zu Teheran in der Lage, wolle aber keine Führungsrolle übernehmen, sondern agiere lieber im Hintergrund – ganz im Sinne seiner Politik der Nichteinmischung.
  • Taiwan als Verhandlungsmasse Xi Jinping werde Trump voraussichtlich zu Zugeständnissen bei Waffenverkäufen an Taiwan drängen. Sollte Trump darauf eingehen, würde er mit jahrzehntealten US-Zusicherungen brechen. In Taiwan selbst nähre allein die Möglichkeit solcher Zugeständnisse die Skepsis gegenüber der Verlässlichkeit des amerikanischen Partners.

Einordnung

Erin Hale liefert eine dichte, kenntnisreiche Einordnung, die gerade in ihrer historischen Tiefenschärfe überzeugt. Sie erinnert an Trumps Telefonat mit Tsai Ing-wen 2017, erklärt das Konzept der strategischen Uneindeutigkeit und stellt die innenpolitischen Zwänge beider Regierungen anschaulich dar. Die Episode macht nachvollziehbar, warum Trumps Unberechenbarkeit von chinesischer Seite nicht nur als Risiko, sondern auch als Zeichen von Schwäche gedeutet wird.

Allerdings bleibt die Perspektive begrenzt: Eine einzige Journalistin aus Taiwan kommentiert ein Dreiecksverhältnis, in dem weder chinesische noch iranische oder andere internationale Stimmen zu Wort kommen. Die chinesische Position erscheint dadurch nur als das, was Hale über sie mutmaßt. Taiwan wird überwiegend als Sicherheitsproblem verhandelt, nicht als demokratische Gesellschaft mit eigener Handlungsmacht. Wirtschaftliche Interessen dominieren die Rahmung so selbstverständlich, dass Fragen nach sozialen Kosten des geostrategischen Wettbewerbs gar nicht erst aufkommen. Dass Trump von Hale als „paper tiger“ charakterisiert wird, zeigt die Argumentationsweise der Episode: Die Unberechenbarkeit des US-Präsidenten wird weniger als Gefahr, sondern als Schwäche interpretiert, die Xi Jinping ausnutzen könne.

Für Hörer:innen, die eine kompakte Übersicht über die aktuellen Spannungsfelder zwischen Washington und Peking suchen, bietet die Folge einen eingängigen Einstieg. Eine tiefergehende Analyse müsste allerdings weitere Perspektiven einholen.

Sprecher:innen

  • Kevin Hurton – Gastgeber der Episode, vertritt The Take
  • Erin Hale – Journalistin mit Sitz in Taiwan, berichtet für Al Jazeera