Roger Köppel spricht mit dem russischen Moderator und Propagandisten Wladimir Solowjow. Das Gespräch ist eine Mischung aus persönlichem Austausch und politischer Selbstdarstellung Solowjows. Im Zentrum steht die Frage, wie nahe Russland vor dem Einsatz von Atomwaffen stehe – eine Frage, die der serbische Präsident Aleksandar Vučić an Solowjow richten ließ. Die Episode gibt Einblick in die Argumentationsweise russischer Staatsmedien, bleibt aber journalistisch ohne kritische Distanz. Solowjow beschreibt eine angebliche „russische Mentalität", die sich grundlegend vom westlichen Denken unterscheide: Während der Westen in kleinen Eskalationsschritten kalkuliere, reagiere Russland erst, wenn es um das „Überleben" gehe – dann aber mit maximaler Härte. Diese Vorstellung wird als selbstverständlich präsentiert, nicht als politische Setzung.

Zentrale Punkte

  • Die nukleare Frage Solowjow behaupte, ein Atomkrieg sei „nur einen Fingerdruck entfernt". Russland entscheide nicht nach Kosten-Nutzen-Rechnung, sondern allein danach, ob eine existenzielle Bedrohung vorliege. Die derzeitige Situation sei wegen westlicher Militärmanöver nahe St. Petersburg extrem gefährlich.
  • Kein Druck auf Putin Innerhalb Russlands gebe es keinerlei politischen Druck auf Putin, so Solowjow. Die Zustimmung liege bei über 60 Prozent – ein Wert, den keine NATO-Führung erreiche. Rekrutierungsprobleme oder gesellschaftliche Spannungen werden als rein ukrainische Phänomene dargestellt.
  • Die Ukraine als gescheiterter Staat Kiew, nicht Moskau, stehe vor dem politischen Kollaps. Solowjow verweise auf angebliche Massenproteste, grassierende Korruption und rechtswidrige Zwangsrekrutierungen. Die ukrainische Führung wird pauschal als „technofaschistisch" bezeichnet.

Einordnung

Die Episode liefert keine journalistische Auseinandersetzung, sondern eine Plattform für Propaganda. Köppel fungiert als Stichwortgeber, der Solowjows Aussagen unwidersprochen stehen lässt. Begriffe wie „Nazi-Regime" oder „Faschisten" für die ukrainische Regierung werden nicht eingeordnet oder hinterfragt – sie normalisieren eine Sprache, die den Angriffskrieg legitimieren soll. Die behaupteten Zustimmungswerte und Mobilisierungszahlen werden ohne Belege präsentiert.

Gleichzeitig macht die Sendung exemplarisch sichtbar, wie russische Staatsmedien argumentieren: Die eigene Position wird als alternativlose Mentalität dargestellt, Gegendarstellungen existieren nicht. Ukrainische Perspektiven – etwa von Zivilist:innen oder Soldat:innen – kommen an keiner Stelle vor. Die Gesprächsatmosphäre ist von gegenseitiger Anerkennung geprägt: „I really like Alexander, I respect him a lot" – diese persönliche Wertschätzung Vučićs schafft eine Vertrautheit, die inhaltliche Kritik unwahrscheinlich macht.

Hörwarnung: Die Episode präsentiert einseitige Kriegspropaganda ohne journalistische Einordnung und normalisiert entmenschlichende Begriffe für politische Gegner.

Sprecher:innen

  • Roger Köppel – Herausgeber der Weltwoche, ehemaliger SVP-Politiker
  • Wladimir Solowjow – Russischer Fernsehmoderator, gilt als Sprachrohr der Kreml-Propaganda