Der Autor Paul Waldman zeichnet im Newsletter „Public Notice“ nach, wie sich anti-muslimische Rhetorik in der Republikanischen Partei radikal gewandelt hat. Stand George W. Bush nach 9/11 noch demonstrativ in einer Moschee und betonte den Frieden des Islams, fällt heute selbst vor offen rassistischen Äußerungen kaum noch ein Tabu. Im Zentrum stehen die Kandidaturen von Zohran Mamdani als New Yorker Bürgermeister und Abdul El-Sayed als demokratischer Senatskandidat in Michigan. Der Text zeigt anhand vieler Beispiele, dass republikanische Mandatsträger:innen Muslim:innen pauschal die Zugehörigkeit zu den USA absprechen. So bezeichnet Senator Tommy Tuberville den Islam als „Kult“ und verlangt, Muslim:innen nach Hause zu schicken, während Abgeordnete wie Andy Ogles schreiben: „Muslime gehören nicht in die amerikanische Gesellschaft. Pluralismus ist eine Lüge.“ Das Kalkül dieser enthemmten Bigotterie sei, so Waldman, von rassistischen Anspielungen auf Namen wie „Barack Hussein Obama“ oder „Abdul El-Sayed“ über Wahlkämpfe bis zu einem „Sharia-Free America Caucus“ die eigene Basis zu mobilisieren – und damit von der Unbeliebtheit Trumps und mangelnder Wirtschaftskompetenz abzulenken.

Dennoch hinterfragt der Newsletter, ob diese Strategie heute noch verfängt. Er verweist auf eine Vorwahl im tief republikanischen Tennessee, bei der der besonders hetzerische Andy Ogles einem weniger radikalen Rivalen unterlag. Auch das Beispiel eines Trump-gestützten Kandidaten namens Amir Hassan, der trotz christlicher Konfession gegen einen faktisch ausgestiegenen Gegner verlor, deute auf ein verbliebenes Unbehagen vieler Wähler:innen hin. Waldman sieht Grenzen der Wirksamkeit: Zwar müsse El-Sayed mit Nachteilen durch seinen muslimischen Namen rechnen, aber seine populistische Botschaft und die Dreistigkeit der Angriffe könnten moderatere Stimmen abstoßen. Die Republikaner gingen womöglich zu weit und zwängen Menschen, die sich eigentlich unwohl mit muslimischer Präsenz fühlen, zur Gegenreaktion. Der Text zitiert keine direkten Stimmen von Betroffenen, sondern argumentiert aus einer liberalen Perspektive gegen die rechte Normalisierung von Hass.

Einordnung

Waldman schreibt aus einer klar progressiven, anti-rassistischen Haltung und macht die Republikanische Partei als zentralen Akteur dieser Entwicklung aus. Ausgeblendet bleiben innerdemokratische Auseinandersetzungen oder ambivalente Haltungen in der Bevölkerung jenseits der Wahlstatistik. Die implizite Annahme, offene Bigotterie werde irgendwann selbstzerstörerisch, könnte die Tiefe struktureller Islamfeindlichkeit in westlichen Gesellschaften unterschätzen. Der Fokus auf elitäre Wahlkampfdynamiken lenkt zudem von breiteren kulturellen und ökonomischen Faktoren ab, die rechte Mobilisierungen befeuern. Lesenswert ist der Newsletter für alle, die verstehen wollen, wie skrupellos identitätspolitische Ressentiments in den USA eingesetzt werden – auch als Warnung, dass solche Normalisierungsprozesse nicht an Landesgrenzen haltmachen. Für eine umfassende Analyse muslimischer Perspektiven müsste man jedoch andere Quellen hinzuziehen.