So bin ich eben! Stefanie Stahls Psychologie-Podcast für alle "Normalgestörten": Zu: Beziehungsangst - Insights eines Betroffenen mit Dominik
So bin ich eben! Stefanie Stahls Psychologie-Podcast für alle "Normalgestörten"
62 min read# Kernpunkte
In der Podcast-Folge "So bin ich eben" der Psychotherapeutin Stefanie Stahl und des Psychologen Lukas Klaschinski ist Dominik zu Gast. Er berichtet über seine Erfahrungen mit Beziehungsangst und wie er gelernt hat, damit umzugehen. Der Podcast beleuchtet, wie sich Beziehungsangst anfühlt und welche Mechanismen dahinterstecken.
### 1. Der Kreislauf aus Eroberung und Distanzierung
Dominik beschreibt, wie er Frauen nicht als Partner:innen auf Augenhöhe, sondern als "Trophäen" betrachtet habe. Nach erfolgreicher Eroberung habe er schnell das Interesse verloren. Der Respekt vor der eroberten Person sei verschwunden: "Das ist wie eine Trophäe. [...] Und das Paradoxe daran ist dann halt, sobald man diese Heimat gefunden hat und die Eroberung stattgefunden hat, dann ist sie halt auch nicht mehr viel wert."
### 2. People Pleasing als manipulative Strategie
Um Menschen zu erobern, habe Dominik sich auf sein Gegenüber eingestellt und deren Bedürfnisse analysiert. Er bezeichnet dies selbst als manipulativ: "Ich würde es jetzt einfach mal bluntly manipulativ nennen. [...] Du manipulierst die Leute eigentlich dahin, dass sie dich mögen." Diese Strategie führe zu einem unruhigen, getriebenen Lebensgefühl.
### 3. Die Wurzeln der Beziehungsangst in der Kindheit
Die Ursache seiner Beziehungsangst sehe Dominik in seiner Kindheit. Als hochbegabtes Kind sei er von seinen Eltern nicht richtig verstanden worden: "Ich hatte gestern zu mir gesagt, ich weiß gar nicht, wie wertvoll es ist, wenn Eltern in ihre Kinder so emotional investieren, wie meine Kinder das machen. [...] In sie wurde als Kind nicht emotional wirklich investiert."
### 4. Der Weg zur Heilung über Selbstempathie
Der entscheidende Wendepunkt sei für Dominik gewesen, Empathie für sich selbst zu entwickeln. Dies habe er über eine Art Meditation erreicht, bei der er sein inneres Kind betrachtet habe: "Ich hatte die Emotion traurig für mich selbst. Also dieses Kind, was ich dann vor mir sah, aber das war ja im Endeffekt ich selbst. Und daraus hat sich so eine Art Pflegereflex für mich selbst eingesetzt."
## Einordnung
Der Podcast bietet einen bemerkenswert tiefen Einblick in die Psychodynamik der Beziehungsangst. Besonders wertvoll ist die Innenperspektive eines Betroffenen, der seine eigenen Muster bereits reflektiert hat und analysieren kann. Dominiks Schilderungen von Manipulation und emotionaler Distanz vermitteln ein authentisches Bild der Beziehungsdynamiken bei Bindungsangst.
Die Gesprächsführung durch die Therapeut:innen ist empathisch und gleichzeitig präzise nachfragend, wodurch komplexe psychologische Prozesse greifbar werden. Auffällig ist, wie transparent die Verbindung zwischen Kindheitserfahrungen und späterem Beziehungsverhalten herausgearbeitet wird, ohne in Schuldzuweisungen zu verfallen.
Der Podcast vermeidet simplifizierende Lösungsansätze und betont stattdessen, dass Heilung ein komplexer, nicht-linearer Prozess ist: "Das ist ja nicht ein Schalter, den du umlegst." Besonders hilfreich ist die Darstellung konkreter Wege zur Selbstempathie als Schlüssel zur Überwindung der Beziehungsangst. Der therapeutische Ansatz, die eigene Geschichte zu verstehen, ohne in ihr gefangen zu bleiben, wird anschaulich vermittelt. Die Episode bietet sowohl für Betroffene als auch für Menschen, die mit Beziehungsängstlichen zu tun haben, wertvolle Erkenntnisse und Perspektiven.
Hörempfehlung: Eine tiefgründige, erhellende Folge für alle, die verstehen möchten, was in beziehungsängstlichen Menschen vorgeht und wie der Weg zu authentischeren Beziehungen aussehen kann.