Alastair Campbell und Rory Stewart diskutieren in dieser Folge von "The Rest Is Politics" die jüngsten Entwicklungen rund um die Ukraine-Krise und die israelische Politik. Die beiden ehemaligen britischen Politiker analysieren Trumps Verhalten gegenüber Putin und die Reaktion europäischer Staats- und Regierungschefs auf die amerikanische Außenpolitik.
Trump sei grundsätzlich auf Putins Seite
Rory Stewart argumentiert, Trump sei "von Anfang an auf Putins Seite" gewesen. Er zitiert: "Was, wenn Trump einfach nichts für die Ukraine übrig hat? [...] Seine Bauchgefühlsreaktion ist: 'Scheiß auf die Ukraine, sie ist sowieso Teil Russlands.'" Die Analyse geht davon aus, dass Trump die Ukraine-Krise primär als Geschäftsmodell für die USA betrachte.
Europäische Führungskräfte hätten Trump versprochen, nicht mit Putin zu verhandeln
Campbell und Stewart berichten, europäische Führungskräfte seien "absolut entsetzt" gewesen, da Trump ihnen zwei Tage zuvor noch versprochen habe, nicht ohne sie mit Putin zu verhandeln. Stewart zitiert: "Die Europäer hatten einen Anruf mit Trump [...] und sie hatten sich irgendwie eingeredet, sie hätten eine Vereinbarung mit Trump, die Trump dann brach, sobald er sich mit Putin setzte."
Putin könne sich seiner militärischen Position sicher sein
Die beiden diskutieren Putins vermeintliche Selbstsicherheit. Stewart verweist auf russische Rekrutierungszahlen: "Die Russen rekrutieren konsequent etwa doppelt so viele Menschen pro Tag wie die Ukrainer." Die finanziellen Anreize für russische Soldaten würden als erheblich beschrieben.
Netanyahu stehe unter Druck durch Massenproteste
Campbell und Stewart berichten über Massenproteste in Israel gegen Netanyahu. Campbell zitiert: "Ich denke, Netanyahus Position ist nicht so stark wie sie war." Die Proteste würden von einer wachsenden Zahl von Israelis unterstützt, die "ziemlich entsetzt" über die Entwicklungen seien.
Extremisten in Netanyahus Koalition würden die Palästinenserfrage entscheiden
Die beiden analysieren die Rolle von Smotrich und Ben Gavier in Netanyahus Koalition. Stewart beschreibt: "Smotrich hat ganz klar gemacht, dass [...] er dafür sorgen wird, dass es keinen palästinensischen Staat mehr gibt, den sie anerkennen könnten." Die Siedlungspolitik werde als Mittel zur endgültigen Beendigung jeder Zwei-Staaten-Lösung genutzt.
Die israelische Militärführung widersetze sich Netanyahus Plänen
Campbell und Stewart berichten über wachsende Spannungen zwischen Netanyahu und der israelischen Militärführung. Stewart zitiert: "Der Chef des Generalstabs warnt öffentlich davor, dass dies taktisch verrückt ist, dass es seine Ziele bei Hamas nicht erreichen wird." Die Militärführung werde von Teilen der israelischen Bevölkerung mehr respektiert als die politische Führung.
Einordnung
Die Episode demonstriert eine bemerkenswert klare Analyse komplexer geopolitischer Entwicklungen durch zwei erfahrene Politiker. Campbell und Stewart gelingt es, die aktuellen Ereignisse in der Ukraine-Krise und im Nahen Osten nüchtern zu durchleuchten, ohne in einfache Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Besonders bemerkenswert ist ihre Fähigkeit, die psychologischen Dimensionen der Beteiligten zu erfassen – sei es Trumps vermeintliche Indifferenz gegenüber europäischen Sicherheitsinteressen oder Netanyahus Abhängigkeit von extremistischen Koalitionspartnern. Die Diskussion zeigt auch die Grenzen diplomatischer Bemühungen auf, wenn diese auf unzuverlässigen Partnern basieren. Die beiden Moderatoren vermeiden es, Partei zu ergreifen, sondern konzentrieren sich auf die Analyse der Machtverhältnisse und deren mögliche Konsequenzen. Die journalistische Qualität liegt in der sachlichen Aufarbeitung komplexer geopolitischer Zusammenhänge ohne Polemik.