Die Episode zeichnet den Weg des Seriengründers Benjamin Schroeter nach, der mit Soulhouse eine Marke im Massage-Markt etablieren will. Das Gespräch ist geprägt von der Logik des skalierenden Unternehmertums: Der Markt wird durchgehend als „unterprofessionell" und fragmentiert beschrieben, als warte er nur auf eine zentrale Marke, die Konsument:innen Orientierung biete. Dass Massage ein seit Jahrtausenden bestehendes Handwerk ist, das bisher weitgehend von Soloselbstständigen getragen wurde, erscheint hier nicht als gewachsene Struktur, sondern als Lücke, die durch unternehmerisches Handeln geschlossen werden muss. Die Rede von „Professionalisierung" und „Karriereplattform" setzt implizit voraus, dass die bisherigen Anbieter:innen – vom Thai-Studio bis zum Physio – kein legitimes Geschäftsmodell verfolgen, das Bestand haben sollte.

Zentrale Punkte

  • Marktlücke durch fehlende Mitte Zwischen günstigem Thai-Studio und überteuertem Luxushotel habe Schroeter eine Lücke entdeckt: eine Premium-Marke mit hohem Designanspruch und fairen Preisen. Dass ein solches Angebot fehle, erklärt er mit dem „5000 Jahre Abers" – der Branchenlogik, die gegen Skalierbarkeit spreche, etwa wegen Personal- oder Flächenengpässen.
  • Skalierung als Execution Game Die Herausforderung liege nicht in der Nachfrage, sondern in der operativen Umsetzung. Schroeter beschreibt Soulhouse als skalierbare „Maschine", bei der Standorte mithilfe einer mathematischen Formel ausgewählt würden und standardisierte Prozesse – von der eigenen Academy bis zum Tech-Stack – die Qualität sichern sollten. Die Ambition: 100 Studios bis Ende 2030, später eventuell mehr.
  • Investition als Antithese zur KI Gegenüber klassischen Tech-Investments positioniert Schroeter Soulhouse als „KI-sicheres" Offline-Geschäft – ein Argument, das bei Family Offices verfange. Diese böten langen Anlagehorizont, unternehmerisches Verständnis und ersparten die Berichterstattung an junge VC-Manager. Das Unternehmen sei so weniger Verkaufsdruck ausgesetzt.
  • Arbeitsmarkt als unkritischer Engpass Der Bedarf an Masseur:innen wird nicht als Bottleneck dargestellt, sondern als Fleißarbeit im Recruiting. Soulhouse biete erstmals Festanstellung, Zusatzqualifikation und Karrierepfade in einem fragmentierten Markt. Die körperliche Belastung des „Knochenjobs" wird zwar erwähnt, aber primär als Frage der Technik und Seniorität verhandelt.

Einordnung

Die Stärke der Episode liegt im dichten Einblick in das Denken eines erfahrenen Seriengründers, der präzise darlegt, wie er einen personalintensiven Dienstleistungsmarkt nach industrieller Logik umbaut. Schroeter argumentiert stringent, hat belastbare KPIs zur Hand und kann die Finanzierungsstrategie schlüssig erklären. Für Zuhörer:innen, die sich für Rollout-Modelle jenseits der Digitalwirtschaft interessieren, bietet das Gespräch hohen Nutzwert, auch weil es den Zusammenhang von Markenaufbau, Standardisierung und Kapitalbeschaffung konkret macht.

Kritisch bleibt, dass die Perspektive der bestehenden Marktakteure – der Soloselbstständigen und kleinen Studios, die den Markt derzeit tragen – vollständig ausgeblendet wird. Die Erzählung vom „unterprofessionellen" Markt, der nur auf eine zentrale Marke gewartet habe, ist eine klassische Disruptionsrhetorik, die gewachsene Strukturen entwertet. Die Arbeitsbedingungen der Masseur:innen werden zwar als verbesserungswürdig anerkannt (Festanstellung statt Freelancing), doch die Frage, was die standardisierte „Soulhouse-Methode" für die Handlungsfreiheit der Beschäftigten bedeutet, bleibt ungestellt. Auch die Annahme, dass ein Unternehmen mit über 3.000 Festangestellten in fünf Ländern quasi naturwüchsig ein „guter Arbeitgeber" sein werde, wird nicht hinterfragt.

Hörempfehlung: Für Gründer:innen und Investor:innen, die verstehen wollen, wie ein Offline-Rollout mit hohen Investitionskosten kapitalseitig und operativ aufgesetzt wird, bietet die Episode eine lehrreiche Blaupause.

Sprecher:innen

  • Philipp Westermeyer – Gründer und CEO von OMR, Moderator des OMR Podcasts
  • Benjamin Schroeter – Gründer und CEO von Soulhouse, zuvor u.a. Mitgründer von Facelift