IQ - Wissenschaft und Forschung: Alexander Gerst, wann fliegen Sie zum Mond? | Artemis II
ESA-Astronaut Alexander Gerst über europäische Mond-Ambitionen, strategische Autonomie im All und den Traum von außerirdischem Leben.
IQ - Wissenschaft und Forschung
28 min read1487 min audioIn dieser Episode des Wissenschaftspodcasts „IQ“ diskutieren Host Stefan Geier und der ESA-Astronaut Alexander Gerst die NASA-Mondmission Artemis. Der Fokus liegt auf der Frage, wann europäische Astronaut:innen aktiv an den Flügen teilnehmen werden und welche logistischen wie personellen Hürden dafür noch genommen werden müssen.
Dabei wird Raumfahrt nicht nur als rein wissenschaftliches Unterfangen verhandelt, sondern stark mit geopolitischen Narrativen verknüpft. Die Notwendigkeit der Exploration des Alls wird als naturgegebener menschlicher Drang und als zwingend für das Überleben der Spezies vorausgesetzt. Die ökonomischen und ökologischen Kosten eines solchen Programms werden als selbstverständlich hingenommen und in der Diskussion nicht hinterfragt.
### Zentrale Punkte
* **Europäische Autonomie im All**
Gerst betone, dass Europa eigene Raumfahrtkapazitäten aufbauen müsse, um bei strategisch wichtigen Missionen nicht von den politischen Entscheidungen unzuverlässiger internationaler Partner abhängig zu sein.
* **Existenzielle Grundlagenforschung**
Der Mond diene als unberührtes Archiv der Erdgeschichte. Es werde argumentiert, dass Mondforschung unabdingbar sei, um künftige Asteroideneinschläge auf der Erde wissenschaftlich zu verstehen und abwehren zu können.
* **Suche nach außerirdischem Leben**
Als ultimatives Ziel künftiger Missionen formuliere der Astronaut die Beantwortung der Frage nach Leben im Universum. Funde von Mikrofossilien auf Mond oder Mars könnten beweisen, dass die Entstehung von Leben kein Zufall sei.
### Einordnung
Die Episode vermittelt komplexe Missionsabläufe sehr zugänglich und transportiert gekonnt die Faszination für naturwissenschaftliche Grundlagenforschung. Auffällig ist jedoch das unhinterfragte hegemoniale Narrativ des westlichen "Entdeckers". Die Eroberung des Mondes wird in eine direkte historische Tradition mit Kolumbus gestellt, ohne die koloniale Dimension dieses Vergleichs zu reflektieren. Zudem werden enorme Raumfahrtbudgets als geopolitische und existenzielle Notwendigkeit gerahmt, die uns „den Hintern retten quasi“. Eine kritische journalistische Gegenperspektive zu Ressourcenfragen, Prioritätensetzung in Krisenzeiten oder der Kommerzialisierung des Alls fehlt in diesem harmonischen Interview völlig.
### Sprecher:innen
* **Stefan Geier** – Moderator und Wissenschaftsjournalist (ARD/IQ)
* **Alexander Gerst** – Geophysiker und aktiver ESA-Astronaut
* **Josef Aschbacher** – Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA