FASHION THE GAZE: CHEFFLUENCERS: Inszenierungen von Essen zwischen Kontrolle und Exzess
Eine scharfsinnige Popkultur-Analyse darüber, wie TikTok-Food-Trends neoliberale Selbstoptimierung und Klassismus als Genuss tarnen.
FASHION THE GAZE
40 min read2178 min audioIn der Episode des Podcasts „Fashion The Gaze“ analysieren Freya Herrmann und Vera Klocke die popkulturellen und politischen Dimensionen digitaler Essensinszenierungen auf Plattformen wie TikTok. Anhand konkreter Videobeispiele dekonstruieren sie verschiedene Ästhetiken – von der funktionalen Protein-Diät bis hin zur elitären ASMR-Küche.
Dabei betrachten die Moderatorinnen Phänomene der Selbstoptimierung, des Klassismus und patriarchaler Rollenbilder als selbstverständliche Analysefolien. Soziale Ungleichheit und neoliberale Eigenverantwortung bilden den unausgesprochenen Rahmen, vor dem die digitale Zurschaustellung von Nahrung bewertet und besprochen wird.
### Zentrale Punkte
* **Essen als Selbstoptimierung**
Digitale Essens-Tagebücher würden Nahrung zunehmend auf ihre Funktion reduzieren. Die Moderatorinnen argumentieren, dass Zutaten wie Medikamente zur Hautverbesserung oder Leistungssteigerung konsumiert würden.
* **Klassismus und Reichtumsinszenierung**
Opulente Kochvideos fungierten als algorithmisch gesteuerte Machtdemonstration. Angesichts steigender Lebensmittelpreise sei der exzessive Umgang mit teuren Zutaten eine dystopische Ersatzbefriedigung.
* **Koloniale Narrative im Vintage-Trend**
Der Vintage-Trend um die „italienische Großmutter“ basiere auf einer überheblichen Haltung. Die Vorbesitzerinnen würden abgewertet, um die eigene Konsumkultur als smartes Entdeckertum zu inszenieren.
### Einordnung
Die Episode liefert eine scharfsinnige popkulturelle Diskursanalyse, indem sie banale TikTok-Trends an Makrostrukturen rückbindet. Ästhetische Details werden fundiert in einen Kontext von Macht und Entfremdung gesetzt. Kritisch anzumerken ist, dass die Diskussion stark in einem akademischen Konsens verbleibt; Begriffe wie „Petromaskulinität“ fungieren als unhinterfragte Prämissen. Diese analytische Brille zeigt sich exemplarisch, wenn eine Essenszubereitung als „Inszenierung von Macht in der Art, wie punkvoll und wie überbordend das ganze ist“ gerahmt wird.
**Hörempfehlung**: Lohnenswert für Hörer:innen, die sich für medienkulturelle Analysen interessieren und verstehen wollen, wie Algorithmen, Ästhetik und Ideologie auf Social Media ineinandergreifen.
### Sprecher:innen
* **Freya Herrmann** – Moderatorin und Kulturanalytikerin
* **Vera Klocke** – Moderatorin und Kulturanalytikerin