In der Episode analysieren Gilda Sahebi und Arne Semsrott zwei hochaktuelle Themenfelder: die Vorwürfe digitaler sexualisierter Gewalt von Collien Fernandes gegen Christian Ulmen sowie die mediale Aufbereitung des eskalierenden Krieges zwischen den USA, Israel und dem Iran. Dabei verhandeln die Hosts beide Komplexe primär als medien- und gesellschaftskritische Strukturfragen. Beim Thema sexualisierte Gewalt wenden sie sich entschieden dagegen, Taten als das Fehlverhalten einzelner Täter zu betrachten. Vielmehr setzen sie eine tief in der Gesellschaft verankerte Misogynie als unhinterfragte Realität voraus, die durch Plattform-Algorithmen und tradierte Diskurse gestützt werde. Ebenso scharf kritisieren sie die Kriegsberichterstattung, bei der eine geopolitische und wirtschaftliche Logik als selbstverständlich gelte, während das menschliche Leid sprachlich wie inhaltlich an den Rand gedrängt werde. ### Zentrale Punkte * **Misogynie als Strukturproblem** Der Fall Fernandes zeige, dass Täter durch ein gesellschaftliches Netzwerk geschützt würden. Die Fokussierung auf Einzelpersonen diene lediglich der Entlastung der Gesellschaft. * **Kritik an Gesetzesverschärfungen** Ein neues Gesetz gegen digitale Gewalt greife zu kurz, da gleichzeitig präventive Strukturen abgebaut würden. Repression löse die zugrundeliegenden Machtfragen nicht. * **Entmenschlichte Kriegsberichterstattung** Der mediale Fokus auf militärische Strategien und Ölpreise im Iran-Krieg verschleiere die Realität. Krieg müsse zwingend über seine Auswirkungen auf Menschen erzählt werden. * **Asylpolitik als Skandal** Die systematische Ablehnung iranischer Asylsuchender durch deutsche Behörden werde bewusst hingenommen. Dies zeige sich an der hohen Erfolgsquote bei gerichtlichen Überprüfungen. ### Einordnung Der Podcast leistet eine scharfe Dekonstruktion hegemonialer Mediennarrative. Die Hosts arbeiten überzeugend heraus, wie Kriegsberichterstattung oft ökonomische Logiken normalisiert und ziviles Leid ausblendet. Auch die Analyse, wie bei sexualisierter Gewalt die Fokussierung auf das Strafrecht strukturelle Prävention verdrängt, ist argumentativ dicht. Problematisch ist jedoch die stark emotionalisierte, teils aktivistische Gesprächsführung, die analytische Distanz oft durch moralische Setzungen ersetzt. Konservative Akteur:innen werden dabei sprachlich pauschal abgewertet („Eigentlich bräuchten wir eine neue Kategorie Jerk of All Weeks und dann sagen wir einfach nur Alexander Dobrindt“). Zudem wird die Prämisse, dass aufgeklärte Gesellschaften fundamental misogyn und rassistisch seien, als absolutes Faktum präsentiert. **Hörempfehlung**: Empfehlenswert für Hörer:innen, die sich für eine dezidiert strukturelle und medienkritische Perspektive auf feministische Themen und Außenpolitik interessieren. ### Sprecher:innen * **Gilda Sahebi** – Journalistin, Autorin und Podcasterin * **Arne Semsrott** – Journalist, Netzaktivist und Podcaster