In diesem Newsletter des Ökonomen und Nobelpreisträgers Paul Krugman wird das Narrativ eines gestärkten Amerikas unter Donald Trump radikal demontiert. Krugman argumentiert, dass Trump die USA nicht respektierter, sondern im Gegenteil weltweit verachtet gemacht habe – insbesondere durch den leichtfertigen Bruch mit demokratischen Verbündeten. Während China sich zwar innenpolitischen Problemen wie Demografie und Jugendunzufriedenheit stellen müsse, profitiere es geopolitisch massiv von Trumps chaotischer Politik. Die zentrale These: Trumps Besuch in Peking sei kein Triumph, sondern die „Exkursion eines scheiternden Möchtegern-Autokraten, der einen echten starken Mann anfleht, ihn aus dem Schlamassel zu befreien, den er angerichtet hat.“ Die Zerstörung der NATO, offene Feindseligkeiten gegenüber Kanada und Dänemark sowie die Unterstützung Russlands hätten die einstigen Vorteile der freien Welt leichtfertig verspielt.
Besonders scharf kritisiert Krugman den wissenschaftsfeindlichen Kurs der Trump-Administration. Anhand der absurden Aussage von Innenminister Burgum, Solaranlagen seien nutzlos, weil nachts die Sonne nicht scheine, illustriert er die technologische Rückständigkeit, in die sich das Land manövriere. China dagegen dominiere die grüne Elektrotechnik, baue Batteriespeicher aus und lasse die USA im Bereich der erneuerbaren Energien alt aussehen. Auch der Handelskrieg entpuppe sich als Fiasko: Statt die heimische Produktion zu beleben, lege er die amerikanische Verwundbarkeit offen, etwa durch Chinas Kontrolle über seltene Erden. Trump reise nun als Bittsteller nach Peking, in der Hoffnung auf symbolische Zugeständnisse, während China die Gelegenheit für langfristige Vorteile und Druck in der Taiwan-Frage nutze.
Einordnung
Krugmans Analyse ist eine kraftvolle, aber stark polarisierte Abrechnung. Als progressiver Ökonom und langjähriger Trump-Kritiker blendet er sämtliche potenziellen Erfolge der Trump-Politik oder differenziertere geopolitische Erwägungen aus. Die chinesische Perspektive wird nur oberflächlich gestreift, vor allem als Kontrastmittel zur amerikanischen Schwäche. Unausgesprochen bleibt die Annahme, dass multilaterale Bündnisse und grüne Technologieführerschaft per se erstrebenswert sind – eine Prämisse, die nicht alle teilen. Die Arumentation lebt von pointierten Zuspitzungen und emotionaler Sprache, was die Lektüre packend macht, aber die Komplexität realer Machtverhältnisse verkürzt.
Der Newsletter bietet eine scharfzüngige, bestens informierte Perspektive auf die außenpolitische Bilanz Trumps und ist lesenswert für alle, die eine klare, wenn auch einseitig linke Kritik suchen. Wer jedoch eine ausgewogene Analyse mit Raum für Gegenargumente erwartet, sollte unbedingt weitere Stimmen heranziehen.