Die Episode erzählt vom Launch des Chatbots ChatGPT im November 2022 und beschreibt diesen als den großen „Gamechanger“-Moment, in dem Künstliche Intelligenz massentauglich wurde. Die Perspektive ist dabei fast ausschließlich die der Macher:innen und frühen Nutzer:innen aus der Tech-Szene: Das Produkt sei über Nacht viral gegangen, Google habe „Code Red“ ausgerufen und Gründer Sam Altman sei als verantwortungsvoller Vordenker auf Welttournee gegangen. Die Episode setzt voraus, dass der Erfolg von ChatGPT eine Art unvermeidlicher Technologieschub war – eine Revolution, die plötzlich da war und die nun alle, vom Bundeskanzler bis zum Startup-Gründer, irgendwie verstehen müssen.
Zentrale Punkte
- ChatGPT war nur ein „Lückenfüller" Intern sei der Chatbot als unwichtige „Research Preview" für andere Forschende gedacht gewesen, so sehr, dass nicht einmal der Aufsichtsrat vorab informiert worden sei. Man habe schlicht unterschätzt, was normale Menschen mit einer veralteten KI-Version anfangen würden.
- Der Erfolg kam über Nacht und überforderte alle Millionen von Nutzer:innen, zuerst aus Japan, hätten die Server zum Glühen gebracht. Während Open AI verzweifelt Rechenleistung von der Forschung abzog, sei selbst den Entwicklern erst durch die Nutzer:innen klar geworden, dass ihr Modell programmieren oder Italienisch sprechen konnte.
- Aus dem Labor wurde ein Goldvulkan Mit dem Erfolg von ChatGPT habe sich der Wind bei Open AI gedreht: Aus dem idealistischen Forschungslabor sei ein Unternehmen geworden, das seine Büros aus Sorge vor Spionage abriegelte und dessen Technologie als sicherheitspolitisch relevant für ein „Wettrüsten" zwischen den USA und China eingestuft worden sei.
Einordnung
Diese Episode zeichnet ein packendes, atmosphärisch dichtes Bild des KI-Hypes, gespickt mit Anekdoten von Zeitzeug:innen, die den Taumel jener Tage spürbar machen. Die Erzählung lebt von Stars der Szene wie Sam Altman und Sebastian Thrun, deren Faszination auf die Hörer:innen überspringen soll. Es ist eine Erzählung über Technikgeschichte als Abenteuer – und genau dieser erzählerische Sog ist auch die größte Stärke des Stücks.
Der Blickwinkel bleibt jedoch komplett auf die Macher:innen und die Tech-Elite verengt. Andere Akteure, etwa kritische Wissenschaftler:innen, Datenschützer:innen, Kreative, deren Jobs sich durch KI fundamental verändern, oder Menschen aus dem Globalen Süden, die die Rohstoffe für die Hardware liefern, tauchen nicht auf – mit einer bezeichnenden Ausnahme: Olaf Scholz, dessen Reaktion („Ich habe das registriert“) zur komödiantischen Pointe wird. Stattdessen wiederholt die Episode unhinterfragt zentrale PR-Narrative von Open AI: Altman predige „Verantwortung“ und fordere Regulierung, was als „genialer Move“ gelobt wird. Dass es sich um eine gezielte Strategie zur Einhegung von Regulierung im eigenen Sinne handeln könnte, wird nicht thematisiert. Die Aussage einer Unternehmerin, die Macher hätten „damals schon“ gewusst, dass ihre Technologie „ultimativ auch in den Waffen landen“ werde, steht als erschreckende Feststellung im Raum, ohne dass die Episode dies kritisch einordnet. In der glatten Erzählung vom unaufhaltsamen Fortschritt verschwindet die Frage nach Machtkonzentration: Ein Privatunternehmen bestimmt eigenmächtig, was zu gefährlich für die Öffentlichkeit ist, nur um dann mit eben dieser Technologie den Weltmarkt zu erobern.