Der Newsletter von Gergely Orosz, bekannt für seine Insider-Analysen der Tech-Branche, untersucht mit aktuellen Daten von TrueUp und Workforce.ai die Lage auf dem Tech-Arbeitsmarkt 2026. Ein zentrales Ergebnis: Die Einstellungen von Softwareentwickler:innen steigen in den USA und Großbritannien leicht an, während sie in Deutschland und Frankreich zurückgehen – ein Hinweis darauf, dass vor allem US-amerikanische Unternehmen wieder mehr einstellen, europäische dagegen vorsichtiger bleiben. Besonders brisant: Der Markt folgt einem starken saisonalen Muster. Wie der Newsletter zitiert: „Hiring mostly occurs between the months of March and June, and there’s very little net growth in the second half of the year.“ Das bedeutet, dass die meisten Neueinstellungen in der ersten Jahreshälfte stattfinden und danach kaum noch netto Wachstum entsteht.
Unter den Big-Tech-Konzernen sticht Meta durch extreme Volatilität hervor: Das Unternehmen verzeichnete über zwei Jahre ein Kopfwachstum von fast 20 %, nur um kürzlich 10 % der Belegschaft zu entlassen. Orosz beschreibt dies als „hire-then-fire rollercoaster“ und konstatiert: „Meta is currently the riskiest place to be in job-security terms.“ Apple und Google wachsen dagegen stetiger, während Amazon und Microsoft kaum nennenswerte Veränderungen zeigen. Auffällig ist zudem, dass Oracle, das noch 2025 auf Platz 4 der Unternehmen mit den meisten offenen Stellen lag, nach massiven Entlassungen aus der Liste herausgefallen ist.
Ein eigener Abschnitt widmet sich dem explosiven Wachstum von KI-Stellen. Fast alle großen Tech-Firmen priorisieren die Einstellung von KI-Ingenieur:innen, wobei Apple, Google und TikTok die meisten offenen Positionen melden. Orosz wirft die Frage auf, ob grundlegende KI-Kenntnisse bald zur Basisqualifikation für Softwareentwickler:innen werden, ohne dies abschließend zu beantworten. Schnell wachsende Bereiche sind zudem Fintech und Security, mit Unternehmen wie Ramp (+94 %) und Wiz (+84 %).
Einordnung
Die Analyse liefert eine nützliche datengestützte Momentaufnahme, blendet aber wichtige Perspektiven aus. Der Fokus auf hochbezahlte Tech-Positionen und US-Headquarter reproduziert ein elitäres Bild der Branche, das die Lage von Entwickler:innen in kleineren Firmen oder außerhalb der Top-Ökonomien unsichtbar macht. Unausgesprochen bleibt die Annahme, dass bloße Kopfzahlen und Stellenausschreibungen Auskunft über die Gesundheit des Arbeitsmarktes geben – Faktoren wie Arbeitsbedingungen, Lohnhöhe oder Diversität tauchen nicht auf. Die Darstellung von Metas Entlassungswellen als fast neutrale Marktvolatilität normalisiert prekäre Beschäftigung. Für gut bezahlte Softwareentwickler:innen in den USA und UK, die auf Jobwechsel spekulieren, ist der Newsletter dennoch eine wertvolle Orientierung. Wer dagegen strukturelle Machtfragen oder breitere gesellschaftliche Auswirkungen der KI-Transformation sucht, sollte ergänzende kritische Quellen hinzuziehen.