Kevin Hassett, Donald Trumps oberster Wirtschaftsberater, verhöhnte auf Fox News die miserable Verbraucherstimmung als „Trump-Derangement-Syndrom“ der Demokraten. Paul Krugman nimmt diese Aussage zum Anlass für eine bissige Demontage. Er führt die Langzeitdaten der Michigan-Umfrage an, die durchaus eine parteipolitische Färbung der Wirtschaftswahrnehmung belegen: Republikaner:innen wurden nach dem Machtwechsel optimistischer, Demokrat:innen pessimistischer. Entscheidend ist jedoch, dass Unabhängige heute ähnlich negativ gestimmt sind wie Demokrat:innen – der republikanische Optimismus hängt also an einer Minderheit.
Noch schärfer wird das Bild mit YouGov-Zahlen, die Republikaner:innen in MAGA- und Nicht-MAGA-Anhänger:innen unterteilen. Während MAGA-Getreue die Wirtschaft mehrheitlich gut finden, antworten 65 Prozent der Nicht-MAGA-Republikaner:innen, die Lage verschlechtere sich; nur 11 Prozent sehen eine Verbesserung. Insgesamt glauben bloß 19 Prozent der Amerikaner:innen an eine gute Wirtschaft. Krugman spitzt zu: „The 19 percent of Americans who support MAGA, many of whom literally believe that Trump was sent by God, say that the economy is good. The other 81 percent of Americans say that it’s very bad. Which group is more likely to have economic perceptions that are warped by politics?“ Für ihn liefern Tarif-Inflation, der Iran-Krieg und der spürbare Rückgang der Realeinkommen gute Gründe für den Pessimismus. Statt Fehler anzuerkennen, bezichtigen Trump und sein Team die Medien jedoch des „Verrats“.
Einordnung
Krugman argumentiert gewohnt pointiert und unterfüttert seine Polemik mit Umfragedaten. Das entlarvt wirkungsvoll, wie die Regierung reale Wirtschaftssorgen als Psychopathologie abtut und Kritik delegitimiert. Allerdings bleibt seine Analyse normativ aufgeladen: Die negative Wahrnehmung der nicht-MAGA-Mehrheit wird als rational und realitätsgerecht gesetzt, ohne andere Erklärungen – etwa Negativberichterstattung oder bestimmte positive Wirtschaftsindikatoren – ernsthaft zu prüfen. Unausgesprochen bleibt die Annahme, dass aggregierte Umfragen ein verlässliches Maß für die tatsächliche Wirtschaftslage sind. Der Text ist lesenswert für alle, die eine datengestützte, scharfzüngige Widerlegung der Trump-Propaganda suchen; wer eine neutrale Einordnung erwartet, könnte sich an der offenen Parteinahme stoßen.