In diesem Gespräch bei Radio Blau wird das Projekt „Nachttaxi“ des Kulturtrabant e.V. vorgestellt, bei dem ein umgebauter Trabant als mobiles Radiostudio durch das nächtliche Leipzig fährt. Das Vorhaben wird als spielerische, partizipative Feldforschung inszeniert, die sich bewusst von Alltagsroutinen abgrenzt. Die Verantwortlichen setzen voraus, dass das urbane Nachtleben ein besonders authentischer Raum sei und dass eine künstlerische Aneignung des öffentlichen Raums mit einer gewissen Rücksichtslosigkeit einhergehen dürfe. Der Trabant fungiere dabei als „Zeitmaschine“, die ostdeutsche Vergangenheit ohne politische Schwere als popkulturelles Zitat in die Gegenwart holen solle.
Zentrale Punkte
- Erkundung des Nachtlebens Das Projekt wolle die Lebenswelten derer einfangen, die nachts arbeiten, feiern oder auf der Straße leben. Diese Erfahrungen seien im Alltag nicht sichtbar und würden dem „gewöhnlichen Nachtschlummer“ entgehen, was es zu dokumentieren gelte.
- Trabi als Pop-Mythos Der Trabant werde mit Glitzer und Technomusik zur symbolischen Brücke in die DDR-Geschichte stilisiert, ohne dessen politischen Kontext zu thematisieren. Er diene als rollendes DJ-Pult und mobiles Sendestudio und solle gezielt einen Gegenpol zur schnöden Gegenwart bilden.
Einordnung
Das Interview setzt auf ein ungewöhnliches, kreatives Format mit fiktiven Anrufen und vermittelt große Lust am Experiment. Die Einladung an das Publikum, das Nachtleben aktiv mitzugestalten, macht die Episode zu einem offenen, lebendigen Hörstück. Die Stärke liegt in der charmanten Inszenierung, die den Zuhörer:innen das Gefühl gibt, Teil eines spontanen Abenteuers zu sein.
Kritischer sieht die Einordnung aus, wenn man auf unhinterfragte Prämissen schaut: Die DDR-Geschichte wird auf eine unpolitische Ostalgie-Folie reduziert, der Begriff „Schwarztaxi“ bleibt ohne historische Einordnung. Zudem setzt das Projekt das urbane Partyleben als Norm und tut die Beschwerden eines lärmbelästigten Anwohners mit einem ironischen Satz ab: „Wir können keine Rücksicht nehmen. Wir sind laut und knattern.“ Alternative Perspektiven auf öffentlichen Raum, wie das Ruhebedürfnis von Anwohnenden, werden so als nebensächlich beiseitegewischt – eine Haltung, die das eigene künstlerische Selbstverständnis über Aushandlungsprozesse im urbanen Miteinander stellt.
Sprecher:innen
- Maxie – Projektmitglied beim Kulturtrabant e.V. und Organisator:in des Nachttaxis
- Interviewer – Moderator:in bei Radio Blau (ungenannt)